"Bankrotterklärung": Knobloch kritisiert Absage von Friedman-Auftritt

"Bankrotterklärung": Knobloch kritisiert Absage von Friedman-Auftritt
Anfang der Woche wurde bekannt, dass Michel Friedman zur Eröffnung der 150. Bayreuther Festspiele sprechen sollte. Doch die Festspielleitung sagte den Auftritt aus Sicherheitsbedenken ab. Eine "Bankrotterklärung", findet Charlotte Knobloch.

Bayreuth, München (epd). Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, kritisiert die Absage eines Auftritts von Michel Friedman bei den Bayreuther Festspielen. „Diese Absage ist auf jeder Ebene eine Bankrotterklärung“, sagte Knobloch am Donnerstag. Bei der vermeintlichen Verschiebung handele es sich faktisch um nichts anderes als eine Ausladung Friedmans durch die Festspielleitung, durch die Begründung „Sicherheitsbedenken“ würde die Verantwortung obendrein noch Friedman zugeschoben. „Mir fehlen die Worte, um meine Wut und Enttäuschung auszudrücken“, sagte Knobloch.

„Michel Friedman ist einer der bedeutendsten Intellektuellen, die wir in diesem Land haben“, sagte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. „Sein Wort hat Gewicht, und gerade zum Auftakt dieses Jubiläums hätte es noch schwerer gewogen.“ Dass die Leitung ihm an dieser hochsymbolischen Stelle eine Bühne erst anbiete und dann unter fadenscheinigem Vorwand wieder entziehe, sei unprofessionell und würdelos. Mit diesem Vorgehen habe die Festspielleitung eine Gelegenheit zur Aufarbeitung ihrer eigenen NS-Vergangenheit nicht nur verpasst, sondern „auch für die Zukunft erheblich erschwert“.

Knobloch: Friedmans Vortrag wäre sehr schmerzhaft gewesen

Friedmans Vortrag wäre für die Anwesenden sehr wahrscheinlich schmerzhaft gewesen. „Das aber war doch Sinn und Zweck seiner Einladung: ein Gespräch zu beginnen, das mehr ist als leere Symbolik und das deshalb auch wehtut.“ Der Publizist Michel Friedman, früherer stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden, sollte zum Auftakt der 150. Bayreuther Festspiele über Antisemitismus, den Komponisten Richard Wagner und die Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit der Festspiele sprechen. Der Öffentlichkeit war die Veranstaltung bisher nicht bekannt, weil sie weder im Festprogramm stand, noch ein Vorverkauf stattgefunden hatte.