Frankfurt, Oder (epd). Die Leipziger Nikolaikirche kann jetzt virtuell wie in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts besucht werden. Die computersimulierte Zeitreise sei von dem Bach-Forscher Alexander Grychtolik aus Weimar und dem Denkmalkunde-Professor Paul Zalewski aus Frankfurt an der Oder in Kooperation mit einer Visualisierungsfirma möglich gemacht worden, teilte die Viadrina-Universität am Donnerstag mit.
Gemeinsam hätten sie das Innere der Nikolaikirche virtuell rekonstruiert, wie es sich zu Johann Sebastian Bachs früher Leipziger Zeit als Kantor ab 1723 dargeboten habe, hieß es. Im Gegensatz zum heutigen Aussehen der Kirche mit markanten, palmenförmigen Säulen habe der Innenraum zu Bachs Zeit ein historisch gewachsenes, durch verschiedene Bau-Epochen „geradezu buntes Bild“ geboten.
Der damalige Zustand ist den Angaben zufolge durch erhaltene Abbildungen, Baupläne und Beschreibungen dokumentiert. Die heutige Gestaltung des Kircheninnenraums gehe auf den klassizistischen Umbau zwischen 1784 und 1797 zurück.
Komplexe 3D-Modelle
Johann Sebastian Bach (1685-1750) wurde 1723 als Kantor an die vier Leipziger Hauptkirchen berufen. In der Nikolaikirche wurden viele Werke des Komponisten aufgeführt.
Grychtolik betonte, mit der virtuellen Rekonstruktion könnten erstmals die realen Aufführungsbedingungen Bachs grundlegend nachvollzogen werden. Dazu gehörten sowohl die Platzverhältnisse auf der Musiker- und der Orgelempore als auch die akustischen Verhältnisse. Die komplexen 3D-Modelle für die Visualisierung seien mithilfe von KI erstellt worden. Dies habe viel Zeit gespart.



