Frankfurt a.M., Kinshasa (epd). Hilfsorganisationen haben die Ebola-Bekämpfung im Kongo einen Monat nach Bekanntwerden des Ausbruchs als vollkommen unzureichend kritisiert. „Die Maßnahmen der Eindämmung hinken dem Ausbruchsverlauf hinterher“, teilte die medizinische Nothilfekoordinatorin von „Ärzte ohne Grenzen“ in der Demokratischen Republik Kongo, Kate White, am Montag mit. Es fehle an Diagnostik und einer effektiven Überwachung und Nachverfolgung von Kontaktpersonen von Ebola-Patienten. Niemand kenne das tatsächliche Ausmaß des Ausbruchs.
Am meisten fehle es an Testkapazitäten, erklärte White. In vielen Gemeinden seien aufgrund der Sicherheitslage keine Diagnosegeräte verfügbar, die Laborergebnisse träfen mit großer Verzögerung ein.
Kinder besonders gefährdet
Die Epidemie sei längst nicht mehr nur eine Gesundheitskrise, sondern entwickle sich zunehmend zu einer gesellschaftlichen Krise, warnte die Kinderhilfsorganisation „Save the Children“. Die am meisten betroffene Provinz Ituri im Osten des Landes sei bereits vor dem Ausbruch von Konflikten, Vertreibung und Hunger geprägt gewesen. Durch geschlossene Grenzen und leere Märkte hätten viele Familien nicht mehr genug zu essen, Mütter könnten ihre Säuglinge nicht mehr stillen, Kinder blieben aus Angst vor Ansteckung dem Unterricht fern. Kinder unter fünf Jahren haben demnach mit knapp 44 Prozent eine doppelt so hohe Sterblichkeitsrate wie Erwachsene, bei Kindern zwischen fünf und 14 Jahren liege sie bei über 33 Prozent.
Der Ebola-Ausbruch im Osten des Kongo war Mitte Mai bekannt geworden. Gegen die Bundibugyo-Variante, die für den aktuellen Ausbruch verantwortlich ist, gibt es bisher keine Impfungen und keine gezielte Therapie. Laut den kongolesischen Behörden wurden bis Samstag 782 Ebola-Infektionen registriert und 181 Todesfälle registriert. Experten gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus, da das Gesundheitssystem schwach ist, viele Gegenden in der betroffenen Region schwer zugänglich sind und Gewalt zwischen Milizen und der Regierung herrscht.



