Abbau von Tiefseesensoren: Klimaforscher für europäisches Messsystem

Abbau von Tiefseesensoren: Klimaforscher für europäisches Messsystem
Ein System aus mehr als 900 Sensoren liefert Forscherinnen und Forschern Daten aus der Tiefsee. Teilweise sind die Messstationen in 2.800 Metern Tiefe verankert. Die USA planen nun den Abbau der Messinstrumente.

Berlin, Potsdam (epd). Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat den geplanten Abbau eines Netzwerkes aus Tiefsee-Messstationen durch die USA kritisiert. Es entstehe ein großer Schaden, da „Messdaten aus der Tiefsee ohnehin sehr spärlich“ seien, sagte Rahmstorf am Montag im Inforadio des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). Zuerst hatte die „New York Times“ berichtet.

Das 2016 in Betrieb genommene Netzwerk bestehe aus mehr als 900 Tiefseesensoren vor der amerikanischen Küste. Innerhalb der nächsten 15 Monate sollen die teilweise in einer Tiefe von 2.800 Metern verankerten Instrumente entfernt werden, schrieb die „New York Times“. Rahmstorf betonte, die in den vergangenen zehn Jahren gesammelten Daten seien wichtig. Allerdings könnten erst ab einer Zeitspanne von 20 oder 30 Jahren klimabedingte Trends erkannt werden.

Europäisches System „sollten wir uns wirklich leisten können“

Besonders entscheidend für Europa sei die Messstation in der Irminger See südöstlich vor Grönland, erklärte Rahmstorf. Mit den Daten der Station werde die sogenannte Atlantische Umwälzströmung beurteilt, die auch den Golfstrom umfasst. Die Strömung sorge für das milde Klima und sei gewissermaßen die „Zentralheizung“ Europas.

Das Risiko für ein Kippen der Strömung sei „größer als 50 zu 50“, sagte Rahmstorf. Ein solches Kippen hätte massive Folgen. Um vorbereitet zu sein, müssten Daten über die Strömung gesammelt werden. Kosten für ein europäisches Überwachungssystem lägen jährlich bei 25 Millionen Euro. „Das sollten wir uns wirklich leisten können“, sagte der Forscher.