Berlin, Buenos Aires (epd). Die Vorsitzende argentinischen Menschenrechtsorganisation „Mütter der Plaza de Mayo“, Taty Almeida, ist tot. Sie starb am Sonntag (Ortszeit) im Alter von 95 Jahren, wie die Organisation bekannt gab. Almeida gehörte dem Zusammenschluss von Müttern von Opfern der Militärdiktatur (1976-1983) fast seit dessen Gründung 1979 an und wurde eine Führungsfigur der Organisation. Ihr Sohn Alejandro Almeida war bereits 1975 im Alter von 20 Jahren von rechtsextremen Paramilitärs verschleppt worden. Er wurde nie gefunden.
Almeida „war eine unermüdliche Kämpferin, die sich immer dann voll und ganz einsetzte, wenn es nötig war“, teilten die „Mütter“ mit. „Bis vor wenigen Tagen, als die Krankheit sie zu einem Rückzug zwang.“ Die Aktivistin, die eigentlich Lydia Estela Mercedes Miy Uranga hieß, setzte sich dafür ein, dass in der Erinnerung an die argentinische Militärdiktatur auch die Zeit davor in Betracht gezogen wird, in der paramilitärische Gruppen bereits die linke Opposition verfolgten, wie die Zeitung „Página12“ berichtete.
Heute Protest gegen Präsident Milei
Ab 1977 protestierten Frauen mit weißen Kopftüchern in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires auf dem zentralen Platz Plaza de Mayo vor dem Regierungsgebäude, um die Freilassung ihrer Kinder, Ehemänner und andere Angehörigen zu fordern. Während der Diktatur wurden in Argentinien nach offiziellen Zahlen mehr als 10.000 Menschen entführt oder ermordet. Menschenrechtsorganisationen sprechen von 30.000 Opfern, darunter viele, deren Schicksal bis heute unklar ist.
Nach dem Ende der Diktatur zerstritten sich die „Mütter“. Eine Gruppe, die sich „Gründungslinie“ nennt und der Almeida angehörte, spaltete sich ab. Im Gegensatz zur Hauptorganisation war sie offener für die offiziellen Aufarbeitungspolitik und akzeptierte, dass die verschwundenen Kinder als tot erklärt wurden, obwohl ihre Leichname nicht gefunden worden. Die Hauptorganisation lehnt das ab. Derzeit protestieren die „Mütter“ gegen die Politik des rechtlibertären Präsidenten Javier Milei.



