Genf (epd). Zum ersten Mal seit zehn Jahren ist die Zahl der Geflüchteten laut UN-Flüchtlingshilfswerk gesunken. Ende 2025 habe es weltweit 117,8 Millionen Geflüchtete und Vertriebene gegeben, erklärte das UNHCR am Donnerstag in Genf. Im Vergleich zum Vorjahr seien das 5,4 Millionen Männer, Frauen und Kinder oder vier Prozent weniger.
In seinem Weltflüchtlingsbericht erklärt das UNHCR den Rückgang in erster Linie mit der Heimkehr von 14,7 Millionen Menschen, darunter seien 4,4 Millionen Flüchtlinge und 10,3 Millionen Binnenvertriebene.
Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) mahnte angesichts der weiterhin hohen Zahlen, nicht nur auf die Folgen von Flucht zu reagieren. Die Welt müsse bei den Ursachen ansetzen. Denn dort, wo Menschen Perspektiven auf eine Zukunft hätten, müsse niemand fliehen.
Rückkehr und neue Flucht
Laut UNHCR kehrten Menschen vor allem nach Afghanistan, in die Demokratische Republik Kongo, in den Sudan und nach Syrien zurück. Allerdings täten dies etliche Menschen nicht freiwillig, betonte das UNCHR: Auf sie warteten schwere und unsichere Bedingungen. Den Angaben zufolge mussten 2025 rund 5,4 Millionen Menschen neu vor Gewalt und Verfolgung in andere Länder flüchten.
Insgesamt leben laut UNHCR 70 Prozent aller Flüchtlinge weltweit seit Jahren im Exil und viele unterhalb der Armutsgrenze. Deshalb rief der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Barham Salih, die internationale Gemeinschaft zur Unterstützung einer neuen Initiative auf. „Für Flüchtlinge geht es zunächst ums Überleben, aber die Flucht bestimmt zu oft dauerhaft ihre Lebensrealität“, sagte Salih.
Dauervertriebene im Blick
Er kündigte als Ziel an, die Zahl der Flüchtlinge, die schon lange vertrieben und auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, im nächsten Jahrzehnt um mehr als die Hälfte zu senken. Der Fokus liegt laut UNHCR auf Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die weltweit die meisten Flüchtlinge aufnehmen. Erreicht werden soll das Ziel durch freiwillige Rückkehr, Aufnahmeprogramme, humanitäre Visa sowie durch den Übergang von reiner Nothilfe zu wirtschaftlicher Eigenständigkeit.
Lena Görgen von der Hilfsorganisation IRC Deutschland betonte, dass die Verantwortung für den Schutz der Menschen auf der Flucht nicht gerecht verteilt sei. Sie kritisierte die Bundesregierung. Diese habe die humanitäre Hilfe innerhalb von zwei Jahren um die Hälfte gekürzt und streiche Mittel für Integrationskurse und Rechtsberatung.



