Mehr als 2.000 antiziganistische Vorfälle

Mehr als 2.000 antiziganistische Vorfälle
Erneut hat die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus einen Anstieg an Vorfällen registriert. Deren Geschäftsführer Guillermo Ruiz macht dafür auch die Politik verantwortlich.

Berlin (epd). Die Zahl antiziganistischer Vorfälle in Deutschland ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Insgesamt 2.076 Vorfälle dokumentierten die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) sowie ihre regionalen Meldestellen, wie MIA-Geschäftsführer Guillermo Ruiz bei der Vorstellung des Jahresberichts am Dienstag in Berlin sagte. Im Vergleich zum Vorjahr bedeute dies einen Anstieg um rund 24 Prozent (1.678 Fälle). Die Organisation geht zudem von einem großen Dunkelfeld aus.

Ruiz nannte als Gründe für den Anstieg den „Rechtsruck in Teilen der Gesellschaft“. Er beklagte etwa einen gestiegenen Antiziganismus in der Politik. Vor allem AfD-Politiker trügen zu antiziganistischer Hetze bei.

Besonders stark wuchsen Stereotypisierungen und Herabwürdigungen, konkret um rund 40 Prozent auf 1.193 Fälle. Diese Vorfallart kam am häufigsten vor. Zudem seien 55 körperliche Angriffe, 41 Sachbeschädigungen und acht Fälle extremer Gewalt registriert worden.

Viele Vorfälle mit staatlichen Behörden

Antiziganismus trat in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen auf. Besonders häufig seien antiziganistische Vorfälle beim Kontakt mit staatlichen Behörden (428 Fälle) und beim Wohnen (279 Fälle).

Die Zahlen stammen aus der bundesweiten Arbeit der MIA-Bundesgeschäftsstelle sowie der Meldestellen in sechs Bundesländern. Antiziganismus beschreibt laut MIA die gesellschaftlich tradierte Wahrnehmung von und den Umgang mit Menschen oder sozialen Gruppen, die als „Zigeuner“ konstruiert, stigmatisiert und verfolgt werden. Die Diskriminierung richte sich unter anderem gegen Sinti und Roma, Jenische oder auch Reisende.