Berlin (epd). Angriffe auf politisch Andersdenkende, Anschläge auf Infrastruktur, Widerstand gegen Polizisten: Die politisch motivierte Kriminalität bleibt in Deutschland auf einem Rekordniveau. Wie aus der am Dienstag in Berlin vorgestellten Statistik des Bundeskriminalamts hervorgeht, stieg die Gesamtzahl der Delikte 2025 um zwei Prozent auf knapp 86.000. Damit gab es einen neuen Höchststand. Der Anstieg fiel aber deutlich geringer aus als im Jahr zuvor, als das Plus bei 40 Prozent lag.
Die größte Gefahr gehe vom Rechtsextremismus aus, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Vorstellung der Statistik. Etwa die Hälfte der politisch motivierten Straftaten - rund 43.000 - waren rechtsextrem motiviert. Die Zahl ging leicht um 0,6 Prozent zurück, die rechtsextrem motivierten Gewalttaten stiegen allerdings um 7,4 Prozent auf knapp 1.600.
Dobrindt: Rechtsextremismus größte Gefahr
Die Zahl der linksextremen Straftaten stieg insgesamt um 35,3 Prozent auf rund 13.500, die der Gewalttaten sogar um 43 Prozent auf fast 1.100. Von der linken Szene gehe eine „deutlich wachsende Bedrohung aus“, sagte Dobrindt.
Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, erläuterte, dass sich linksextreme Gewalt vor allem gegen den politischen Gegner richte und sich in Körperverletzungen, Widerstand gegen Polizisten und Brandstiftungen zeige. Bei rechtsextremer Gewalt geht es dagegen fast immer um Körperverletzungen, oft mit rassistischem Motiv.
Die Statistik erfasst zudem Straftaten aus Beweggründen ausländischer Ideologie und religiösen Extremismus. Knapp 21.000 Taten fielen in die Kategorie „sonstige Zuordnung“. Hauptdelikte bei politisch motivierter Kriminalität waren im vergangenen Jahr Propagandadelikte, Sachbeschädigungen und Beleidigungen. Die Zahl der Volksverhetzungen und Bedrohungen ging der Statistik zufolge zurück.
Mehr frauenfeindliche Gewalt
Die Zahl der als Hasskriminalität gewerteten Straftaten stieg der Statistik zufolge 2025 um 1,8 Prozent auf mehr als 22.000. Gemeint sind dabei Straftaten, die gegen Personen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder ihres Geschlechts gerichtet sind. Die meisten davon sind rechtsextrem motiviert. Dazu gehören unter anderem antisemitische Straftaten, deren Zahl 2025 erneut gestiegen ist - um 5 Prozent auf mehr als 6.500. Rein rechnerisch gab es 2025 mehr als einmal die Woche eine Straftat gegen eine Synagoge (57 Fälle).
Besonders stark gestiegen ist der Statistik zufolge die Zahl frauenfeindlicher Straftaten - um 47 Prozent auf 819. Der Anteil an Gewaltdelikten sei in diesem Bereich zudem hoch, sagte Münch. Deswegen sei die Entwicklung ein Alarmzeichen, auch wenn die Fallzahl verglichen mit anderen Kategorien nicht so hoch sei.



