Touristen müssen künftig zwölf Euro Eintritt für Kölner Dom zahlen

Touristen müssen künftig zwölf Euro Eintritt für Kölner Dom zahlen
Der Kölner Dom zieht jährlich sechs Millionen Besucher an. Pflege, Instandhaltung und Personal kosten 44.000 Euro täglich. Einen Teil dieser Kosten sollen künftig Tickets decken. Ab dem 1. Juli zahlen Touristen zwölf Euro. Doch es gibt Ausnahmen.
02.06.2026
epd
Von Gabriele Fritz (epd)

Köln (epd). Es ist eine Zäsur für Touristen, die das Weltkulturerbe Kölner Dom besuchen wollen: Erstmals führt das Domkapitel eine Besichtigungsgebühr ein, wie Dompropst Guido Assmann am Dienstag sagte. Ab dem 1. Juli zahlten erwachsene Besucherinnen und Besucher zwölf Euro pro Person. Die Besichtigungsgebühr entfalle, wer den Eingang des nördlichen Querhauses auf der Hauptbahnhofsseite nutze und im Bereich der beliebten Schmuckmadonna aus der Barockzeit beten oder eine Kerze anzünden wolle.

Der Gottesdienstbesuch, das Gebet und das beliebte „mal eben im Dom vorbeischauen“ für einen Moment der Stille seien also weiterhin ohne Eintritt möglich, betonte Assmann. In deutschen Kirchen sind Eintrittsgebühren bisher die Ausnahme

Touristische Besucher erhielten über das Hauptportal im Westen mit vorab erworbenem Ticket Einlass, erläuterte Dombaumeister Peter Füssenich. Ein Online-Kauf werde ab dem 15. Juni freigeschaltet. Tickets werden dann künftig bereits drei Monate im Voraus zu kaufen sein. Spontanbesucher oder Menschen ohne digitalen Zugang können im Kurienhaus am Roncalliplatz, in der ehemaligen Buchhandlung Kösel, auch direkt Tickets erwerben. Auch Reklamationen oder Ticketrückgaben sind dort künftig möglich.

Freier Eintritt für Gottesdienstbesucher, Betende und Kinder

Freien Eintritt haben grundsätzlich alle Gottesdienstbesucher und Betende. Außerhalb der Gottesdienste gilt ein freier Eintritt für alle in der Zeit vom 6. Januar (Dreikönigstag) bis zum darauffolgenden Sonntag, an den staatlichen Feiertagen 1. Mai und 3. Oktober sowie im Rahmen der Nacht der offenen Kirchen in der Stadt.

Zudem haben generell alle Kinder bis 13 Jahre, Schwerbehinderte samt einer Begleitperson sowie Mitglieder des Zentralen Dombauvereins als Fördernde freien Eintritt. Einen ermäßigten Preis (sechs Euro) zahlen Schüler ab 14 Jahren, Azubis, Studierende, Begleitpersonen von Schülergruppen sowie Inhaber eines Sozialpasses aller NRW-Kommunen, die einen solchen Pass für Sozialleistungsempfänger anbieten.

Eintrittsgebühren in Kirchen bisher die Ausnahme

Der oberste Finanzverwalter des Doms, Domrendant Clemens van de Ven, rechnet aufgrund der Besichtigungsgebühr mit sinkenden Besucherzahlen. Doch stehe das Domkapitel vor der Aufgabe, nicht nur laufende Kosten für Erhalt und Betrieb der Kathedrale zu decken, sondern auch Vorsorge für zukünftige Anforderungen zu treffen und notwendige Rücklagen aufzubauen.

Bisher sind in deutschen Kirchen Eintrittsgebühren die Ausnahme, manchmal werden sie für touristische Besichtigungen von Türmen oder Krypten genommen. Für den evangelischen Berliner Dom müssen Erwachsene 15 Euro zahlen, um ihn zu besichtigen. Seit 17. Mai wird in der evangelischen Nürnberger Innenstadtkirche St. Sebald ein Eintrittsgeld erhoben. Wer die Kirche wegen ihrer Kultur und Geschichte besuchen will, zahlt fünf Euro. Andere berühmte Kirchen wie das Ulmer Münster, der Dom in München und der Michel in Hamburg kosten keinen Eintritt. Auch der Zugang zur weltbekannten Dresdner Frauenkirche soll bis auf Weiteres kostenfrei bleiben.

Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, hält eine Eintrittsgebühr für große Kirchen zwar für bedauerlich, aber nachvollziehbar. „Zum einen braucht es neue Finanzquellen, um diese Kirchen zu erhalten“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zum anderen schade ein nachlässiger Over-Tourismus diesen Kulturschätzen.