Berlin (epd). Die Gefahr politischer Einflussnahme auf die in Deutschland geplanten Niederlassungen der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem wird von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) als gering eingeschätzt. Deren Präsident Volker Beck verwies im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) darauf, dass es ähnliche Konstellationen auch in der deutschen Erinnerungslandschaft gebe. Zwar sei die israelische Forschungs- und Gedenkstätte eine öffentlich-rechtliche Einrichtung und die Spitze werde von der Regierung bestellt. Dies treffe aber auch hierzulande auf öffentlich-rechtliche Stiftungen wie „Erinnerung-Verantwortung-Zukunft“ oder „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ zu. Diese seien staatsnah, die Besetzung der Leitung folge politischen Mehrheiten.
Beck sagte, der jetzige Yad-Vashem-Leiter sei noch von der Vorgängerregierung des aktuellen Netanjahu-Kabinetts eingesetzt worden. „Natürlich hat es auch Versuche der Einflussnahme gegeben“, räumte der DIG-Präsident ein. Diese seien aber am Widerstand der Gedenkstättenleitung, der Gremien und der Zivilgesellschaft gescheitert. Dass sich Versuche der Einflussnahme direkt in der Gedenkstättenarbeit widerspiegelten, sei eher unwahrscheinlich.
Sorge vor Einmischung auch hier angebracht
„Sorge vor einer Einmischung der Politik in die Gedenkkultur ist natürlich immer angebracht“, räumte Beck ein: „Wenn ich mir unsere Gedenkstätten unter einer politischen Mehrheit der AfD vorstelle, dann weiß ich auch nicht, ob die Unabhängigkeit bei uns Bestand haben wird.“
Der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main, Meron Mendel, hatte eine Diskussion über die Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte angeregt. Yad Vashem sei nicht unabhängig, sondern der israelischen Regierung unterstellt. Aktuell sei diese von Rechtsradikalen dominiert. Der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, kritisierte Intransparenz bei der Standortentscheidung.
Lob für ostdeutschen Standort
Der frühere Grünen-Politiker Beck lobte ausdrücklich die Standortentscheidung: „Ich finde es sehr gut, dass neben München mit Leipzig auch ein ostdeutscher Standort dabei ist.“ Der DIG-Präsident verwies darauf, dass Yad Vashem eine dezidiert jüdische Perspektive einbringe, die es in Deutschland so bisher nicht gebe: „Der millionenfache Mord an Jüdinnen und Juden fand nicht auf Reichsgebiet statt, sondern in den besetzten Gebieten Osteuropas.“ Diese Perspektive werde mit dem Verschwinden der letzten Zeitzeugen umso wichtiger, sagte Beck.



