Solingen (epd). In Solingen ist am Freitag der Opfer und Angehörigen des rechtsextremistisch motivierten Brandanschlags vor 33 Jahren gedacht worden. „Die Brandnacht hat eine Narbe hinterlassen, die Teil unserer gemeinsamen Geschichte geworden ist“, erklärte Oberbürgermeister Daniel Flemm (CDU) bei der Gedenkveranstaltung am Mahnmal. „Eine Narbe, die uns mahnt, wohin Hass führen kann.“ Solingen habe aus dieser Nacht gelernt: „Wir haben gelernt, wachsam zu sein, bevor Ausgrenzung Wurzeln schlägt.“
Auch die Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Solingen, Ilka Werner, rief dazu auf, wachsam zu bleiben: „Etwas, das einmal geschehen ist, kann wieder geschehen.“ Sie erinnerte an den Brandanschlag im März 2024, bei dem eine türkisch-bulgarische Familie ums Leben kam, sowie an das islamistisch motivierte Messerattentat im August 2024 beim Solinger Stadtfest mit drei Toten. „Darum dürfen wir nicht aufhören, uns gegen Hass auszusprechen und für Respekt und Zusammenhalt.“
Brandstifter kamen aus der Neonazi-Szene
Das Verbrechen in Solingen vor 33 Jahren war einer der folgenschwersten ausländerfeindlichen Anschläge der deutschen Nachkriegsgeschichte: Zwei Frauen und drei Mädchen wurden getötet, als vier junge Neonazis am 29. Mai, in der Nacht zum Pfingstsamstag 1993 das Haus der türkischstämmigen Familie Genç in der Unteren Wernerstraße in Solingen anzündeten. Weitere Familienmitglieder wurden schwer verletzt, drei von ihnen lebensgefährlich. Die vier Brandstifter aus der Neonazi-Szene wurden 1995 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Alle vier kamen bis 2005 wieder auf freien Fuß, drei von ihnen vorzeitig.
Mevlüde Genç, die bei dem Brandanschlag zwei Töchter, eine Nichte und zwei Enkelinnen verlor, machte sich bis zu ihrem Tod im Jahr 2022 für Versöhnung und interkulturellen Dialog stark. Seit 2019 verleiht NRW jährlich einen nach ihr benannten Toleranzpreis, die mit 10.000 Euro dotierte Mevlüde-Genç-Medaille. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an den Kölner Pfarrer Franz Meurer.



