Hamburg (epd). Aus Sicht der Politikwissenschaftlerin Judith Goetz gibt es in Deutschland im öffentlichen Diskurs eine deutliche antifeministische Bewegung. Feministische Anliegen würden zunehmend angezweifelt, indem sie als überzogen, spaltend oder ideologisch dargestellt werden, sagte die Gender-Forscherin der Universität Innsbruck dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Antifeminismus sei Ausdruck einer breiteren gesellschaftlichen Polarisierung, sagte die 42-jährige Gender-Forscherin. Er verbinde konservative Modernisierungsskepsis, rechte Kulturkritik und rechtsextreme Weltbilder. „Antifeminismus bietet einfache Erklärungen für komplexe gesellschaftliche Veränderungen und schafft klare Feindbilder - insbesondere gegen Frauen, queere Menschen und Gleichstellungspolitiken“, sagte Goetz
„AfD verstärkt Antifeminismus“
Wörter wie „Genderdiktatur“ oder „Genderideologie“ seien zentrale Kampfbegriffe der antifeministischen Mobilisierung, die demokratische Gleichstellungsprozesse delegitimieren sollen. „Sie zweifeln wissenschaftliche Erkenntnisse zu Geschlecht und Sexualität an, indem sie als Ideologie diffamiert werden, und erzeugen ein Bild von Bedrohung und Überforderung“, sagte Goetz. Dabei knüpften sie an tief verankerte normative Vorstellungen von Familie an.
Die hohen Zustimmungswerte der AfD trügen aktuell zur gesellschaftlichen Akzeptanz solcher Positionen bei. „Die AfD verstärkt Antifeminismus“, sagte Goetz. Die Partei propagiere ein klar rückwärtsgewandtes Geschlechterbild, das traditionelle Rollen idealisiere und Gleichstellungspolitiken als Bedrohung darstelle. Antifeminismus sei damit ein Bestandteil rechter Mobilisierung.
In diesem Klima gerate Gleichstellungspolitik in die Defensive: „Sie muss sich permanent legitimieren“, beobachtet die Wissenschaftlerin.



