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Demokratie
"Faschismus lebt von der Verklärung der Vergangenheit"
chrismon: Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern fordern Sie in Ihrem neuen Buch, die Demokratie müsse widerstandsfähiger werden. Was heißt das?
Ilko-Sascha Kowalczuk: Die Mehrheit der Deutschen will Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschlichkeit bewahren. Aber wir müssen uns viel mehr einmischen, in Dörfern, Vereinen, in der Kneipe. Und damit das gelingt, sollten wir uns zunächst bewusst machen, was auf dem Spiel steht. Also sage ich: Liebe Leute, kommt raus aus dieser Jammerecke.
Aus der Jammerecke?
Deutschland ist eines der reichsten, politisch stabilsten, wirtschaftlich stärksten und sozial sichersten Länder der Welt. 95 Prozent der Menschheit würden gern so leben wie wir. So wie wir in Deutschland leben, hat noch nie eine Gesellschaft in der Weltgeschichte gelebt. Auch wenn es wahnsinnig viel zu verändern gibt, angefangen mit der sozialen Ungerechtigkeit.
Sie schreiben, wer AfD wählt, sei Faschist. In Sachsen-Anhalt haben das laut Umfragen rund 40 Prozent vor. Sind diese Wähler für die Demokratie verloren?
Die AfD will im großen Stil Menschen außer Landes bringen, deportieren. Einige AfD-Leute sprechen von millionenfacher "Remigration". Wenn das kein Faschismus ist, dann weiß ich auch nicht, was Faschismus ist. Um das klarzustellen: Nicht jeder, der 1933 die NSDAP gewählt hat, war ein Nazi. Aus historischer Perspektive tut das aber nichts zur Sache, denn es läuft auf dasselbe hinaus. Deshalb sage ich, wer die AfD wählt, ist ein Faschist, weil er eine faschistische Bewegung unterstützt. Dass man diese Wähler zurückholen muss, halte ich für Quatsch.


