Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem plant zwei deutsche Niederlassungen

Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem plant zwei deutsche Niederlassungen
Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem plant eine Außenstelle in München. Eine Dependance soll es in Leipzig geben. In drei Jahren soll das Bildungszentrum öffnen.
28.05.2026
epd
Von Franziska Hein (epd)

München, Jerusalem (epd). Die Internationale Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem will zwei Niederlassungen in Deutschland gründen. Geplant ist ein Bildungszentrum in München und eine Dependance in Leipzig, wie die Gedenkstätte am Donnerstag in Jerusalem mitteilte. Das neue Bildungszentrum soll demnach in drei Jahren öffnen. Die Pläne stoßen auf viel Zustimmung in der Politik.

Der Vorsitzende von Yad Vashem, Dani Dayan, erklärte, eine historisch fundierte Holocaust-Bildung sei wichtiger denn je, da Überlebende des Holocaust als Zeitzeugen bald nicht mehr zur Verfügung stünden. Die Wahl Münchens als Geburtsstätte der NSDAP und „Hauptstadt der Bewegung“ habe eine tiefe symbolische Bedeutung.

Erste Außenstellen außerhalb Israels

Die Niederlassungen in München und Leipzig sind die ersten außerhalb Israels. Neben Leipzig und München hatten sich auch Köln und Düsseldorf beworben. Das Bildungszentrum in München soll am Karolinenplatz im Zentrum von München errichtet werden, wie es hieß.

Die Dependance in Leipzig soll im bereits bestehenden Ariowitsch-Haus ihren Platz finden, einem Ort der Bildung, Kultur und Begegnung. Die Ministerpräsidenten aus Bayern und Sachsen freuten sich über die Entscheidung der Gedenkstätte. Bayern werde für Yad Vashem ein gutes Zuhause sein, erklärte Regierungschef Markus Söder (CSU). Sein sächsischer Amtskollege Michael Kretschmer (CDU) erklärte, die Pläne seien für sein Bundesland eine große Ehre und zugleich Verpflichtung. Leipzig könne auch eine „Brücke nach Osteuropa“ sein.

Idee entstand 2023

Die Idee für das Bildungszentrum in Deutschland wurde erstmals 2023 bei einem Treffen zwischen Dayan und dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vorgebracht. Die schwarz-rote Koalition hatte das Projekt ebenfalls unterstützt.

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte, gerade junge Menschen in Deutschland wüssten zu wenig über die Schoah und die systematische Ermordung von Millionen Juden im Nationalsozialismus. „Das Wissen über das, was war, ist wichtig, um das Übel in der Zukunft zu verhindern.“

Leipziger OB: Geht auch um persönliche Geschichten

Die Europäische Rabbinerkonferenz mit Sitz in München erklärte, die Zentren würden dabei helfen, das Bewusstsein für die Schoah in die nächste Generation zu tragen. In einer Zeit wachsender antisemitischer Bedrohungen sei Bildung der entscheidende Schlüssel.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) betonte, es gehe nicht nur um Bildung sowie um Aufklärung zur NS-Zeit und zum Holocaust, sondern auch um persönliche Geschichten. „Wenn es uns nicht gelingt, auch emotional junge Menschen anzusprechen, dann werden wir scheitern“, sagte er.

Neuer Standort mitten im alten NSDAP-Viertel

Yad Vashem erklärte, für München habe man sich unter anderem wegen der hohen Sicherheitsstandards und der finanziellen Zusicherung der bayerischen Regierung entschieden. In der Nähe des Karolinenplatzes befindet sich bereits das NS-Dokumentationszentrum. Es steht am ehemaligen Standort des „Braunen Hauses“, der Parteizentrale der NSDAP. In seiner Nachbarschaft entstand nach 1933 ein weitläufiges Parteiviertel mit Verwaltungsgebäuden, Zentralbehörden und Nebenstellen der Partei.

Yad Vashem wurde 1953 gegründet und versteht sich als „lebendiges Denkmal des jüdischen Volkes für den Holocaust“.