Berlin (epd). Die Ärzteschaft wünscht sich einer Umfrage zufolge eine stärkere Berücksichtigung der Unterschiede von Männern und Frauen in der Medizin. 87 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte wünschten sich mehr geschlechtsspezifische Inhalte in medizinischen Leitlinien, teilte der AOK-Bundesverband am Donnerstag in Berlin mit. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hatte in der repräsentativen Studie im Auftrag der AOK mehr als 500 Ärztinnen und Ärzte befragt.
Laut der Umfrage schätzten Ärztinnen einerseits und Ärzte andererseits die Bedeutung geschlechtsspezifischer Inhalte aber unterschiedlich ein. So gaben 54 Prozent der Ärztinnen an, sie hätten es im Berufsalltag „schon oft“ oder „manchmal“ als Nachteil empfunden, dass geschlechtsspezifische Medizin im Studium eine geringe Rolle spiele. Nur 34 Prozent der Ärzte stimmten dem zu.
39 Prozent der Ärztinnen und 25 Prozent der Ärzte sagten, sie hätten im Studium Unterschiede zwischen Männern und Frauen gar nicht vermittelt bekommen.
Medizinische Unterschiede zwischen Geschlechtern
Zwischen Männern und Frauen gibt es nicht nur Unterschiede in Körperbau und Hormonsystem, sondern auch in der Funktionsweise des Körpers. So wirken beispielsweise Medikamente je nach Geschlecht unterschiedlich. Männer und Frauen zeigen auch teilweise andere Krankheitssymptome.
Die AOK-Vostandsvorsitzende Carola Reimann erklärte, Frauengesundheit erfahre heute zwar mehr öffentliche Aufmerksamkeit, „aber um diese wirklich systematisch zu stärken, braucht es eine konsequente Verankerung von geschlechtsspezifischen Aspekten in Forschung, Lehre und Versorgung“.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstag, online), viel zu lange sei ignoriert worden, dass Frauen andere gesundheitliche Bedürfnisse, Beschwerden und Symptome haben als Männer.



