Köln (epd). Nach einem Rückgang beim Konsum von nikotinhaltigen Produkten durch Kinder und Jugendliche seit Ende der 1990er Jahre verzeichnet das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit wieder einen Anstieg. „Etwa zehn Prozent der männlichen Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren rauchen, das ist ein signifikanter Anstieg seit 2021“, sagte der Leiter der am Dienstag veröffentlichten Drogenaffinitätsstudie 2025, Boris Orth, in Köln. 2021 lag der Wert noch bei 5,5 Prozent, 2023 bei 7,2 Prozent. Auch bei den weiblichen Jugendlichen der Altersgruppe stieg der Anteil der Raucherinnen in den vergangenen Jahren von 6,4 (2023) auf 9,3 Prozent (2025).
Dabei sei vor allem der Anteil des Konsums von Einweg- und Mehrweg-E-Zigaretten gestiegen, erklärte Orth. Hatten 2021 laut einem Survey noch 2,4 Prozent der 12- bis 17-Jährigen E-Zigaretten geraucht, sind es im Jahr 2025 bei den Mehrweg-E-Zigaretten 7,3 Prozent und bei den Einweg-E-Zigaretten 5,5 Prozent. Zugenommen habe auch der Anteil derer, die regelmäßig rauchten, erläuterte Orth: „Jeder fünfte männliche Jugendliche und jede vierte junge Frau greifen täglich zur Mehrweg-E-Zigarette.“
Streeck: Einstieg ins Rauchen über E-Zigaretten und Vapes
Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck (CDU) sieht darin ein großes Problem. „Der Einstieg ins Rauchen erfolgt nicht mehr über Tabak, sondern über E-Zigaretten und Vapes“, erklärte er. Das Design dieser Produkte erinnere an eine Süßigkeit, schmecke nach Cola, Erdbeeren oder Kaugummi. „Jugendliche werden durch die poppige Aufmachung und einen süßen Geschmack an Nikotin herangeführt“, kritisierte er.
Deshalb sei es wichtig, die Einstiegshürden für Kinder und Jugendliche zu erhöhen. „Aromen, die den Einstieg von Kindern und Jugendlichen erleichtern, müssen vom Markt“, forderte der Drogenbeauftragte. Außerdem verlangte er, Werbung in sozialen Netzwerken müsse begrenzt und die Tabaksteuer angehoben werden, damit Rauchen teurer werde. Der Zoll müsse illegale Waren konsequent aus dem Verkehr ziehen. Gleichzeitig setzte Streeck sich dafür ein, Zusatzstoffe, die nachweislich die Lunge schädigen, gesetzlich verbieten zu lassen. „Das ist meiner Meinung nach moderne Gesundheitspolitik und keine Einschränkung der Freiheit“, betonte der CDU-Politiker.
Weiter Rückgang bei 18- bis 25-Jährigen
Denn der Konsum von nikotinhaltigen Produkten sei eine der größten vermeidbaren Todesursachen in Deutschland. „130.000 Menschen in Deutschland sterben jedes Jahr an den Folgen des Tabakkonsums“, sagte Streeck. „Das sind 360 Menschen am Tag.“ Bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren scheine die Präventionsarbeit allerdings noch zu wirken. In dieser Altersgruppe sank der Anteil Rauchender laut Drogenaffinitätsstudie zwischen 2021 und 2025 von 29,8 auf 26,3 Prozent.
Allerdings habe sich auch bei jungen Erwachsenen der Konsum von E-Zigaretten erhöht, erklärte das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit. 2021 rauchten 5,9 Prozent E-Zigaretten. Im vergangenen Jahr lag der Anteil bei den Mehrweg-E-Zigaretten bei 12,7 Prozent, bei den Einweg-E-Zigaretten bei 8,1 Prozent.
Insgesamt zeigt sich laut Bundesinstitut, dass sich das Konsumverhalten junger Menschen verschoben habe. Der Konsum von Wasserpfeifen sei deutlich zurückgegangen, andere Nikotinprodukte wie Mehrweg-E-Zigaretten, aromatisierte Liquids und Nikotinbeutel gewännen an Bedeutung. Für die Drogenaffinitätsstudie wurden den Angaben zufolge 7.001 junge Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren im Zeitraum April bis Juni 2025 befragt.



