Pfingstbotschaften: Mut zum Miteinander und Kraft zur Veränderung

Pfingstbotschaften: Mut zum Miteinander und Kraft zur Veränderung
Die Botschaft des Miteinanders inmitten aller gesellschaftlichen und politischen Spannungen steht an Pfingsten in den Kirchen im Mittelpunkt.
24.05.2026
epd
Von Silvia Vogt (epd)

Frankfurt a.M. (epd). Pfingsten als Ermutigung und Anstoß für Veränderungen: Zum Mut eines Neuanfangs haben Vertreter der Kirchen in ihren Pfingstgottesdiensten aufgerufen. Gott schenke den Heiligen Geist als Kraft für Frieden, Verständigung und Vergebung, betonte Papst Leo XIV. am Sonntag im Petersdom. Durch seinen Tod stifte Christus Frieden zwischen Gott und der Menschheit, und der Heilige Geist „gießt diesen Frieden in die Herzen ein und verbreitet ihn in der Welt“.

Der Geist Gottes sei zugleich ein „Geist der Mission“ und Aufruf zum Handeln, betonte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Er verleihe die Kraft, Glauben zu leben. Dieser Glaube komme „mit jeder guten Tat, jedem Akt der Barmherzigkeit und der Tugend zum Ausdruck“, sagte der Papst. Nicht zuletzt sei der Geist des Auferstandenen der Geist der Wahrheit und förderte die Einheit, weil er im Menschen Verständnis und Eintracht wecke.

Kraft der Gemeinschaft

Der Heilige Geist wirke dabei nicht als Kraft der Gleichmacherei, sondern ermögliche ein fruchtbares Miteinander unterschiedlicher Stimmen und Perspektiven, sagte der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, bei seiner Predigt am Pfingstsonntag im Hildesheimer Dom. Er rief zu Verständigung und Zusammenhalt inmitten aller gesellschaftlichen und politischen Spannungen und Gegensätzen auf: Pfingsten sei kein Wunder der Vereinheitlichung, sondern ein „Wunder der Verständigung“.

Die Bedeutung von Zusammenhalt und Gemeinsinn rückte auch der Mediziner und Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen im ARD-Fernsehgottesdienst in den Blickpunkt. Nur gemeinsam könne man Großes bewegen, betonte der evangelische Christ in seiner Ansprache in der Bonner Lutherkirche. Als Sinnbild für die Pfingstbotschaft verwies er auf Pinguine: Bei Temperaturen von minus 40 Grad in der Antarktis rückten die Tiere eng zusammen und ließen abwechselnd Artgenossen zum Aufwärmen in die Mitte. Alleine könne niemand überleben, sagte Hirschhausen. „“Das Geheimnis ist Gemeinschaft."

Zusammen die Welt verändern

Auch der Bonner Lutherkirchen-Pfarrer Joachim Gerhardt verwies auf die verbindende Kraft des Pfingstfestes. „2,3 Milliarden Menschen auf der Welt feiern heute Pfingsten“, sagte er. Die Gemeinschaft gebe Mut und Kraft, die Welt positiv zu verändern.

Das Pfingstfest erzähle eine Geschichte, die Verschiedenheit „zur Grundlage einer tragfähigen Gemeinschaft macht“, betonte der evangelische bayerische Landesbischof Christian Kopp. Es öffne Raum für Gespräche trotz aller Differenzen. „Das eigentliche Wunder an Pfingsten ist nicht, dass plötzlich alle dieselbe Sprache sprechen“, sagte er in der St. Matthäuskirche in München. „Das Wunder ist: Die Menschen reden wieder miteinander.“

Pfingsten ist nach Ostern und Weihnachten das dritte große Fest im Kirchenjahr. Der Name Pfingsten geht auf das griechische Wort „pentekoste“ (der Fünfzigste) zurück, weil das Fest seit etwa Ende des vierten Jahrhunderts 50 Tage nach Ostern gefeiert wird. In Erinnerung an die in der Bibel geschilderte Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Menschen wird Pfingsten auch als „Geburtstag der Kirche“ verstanden.