Ehrengrab für Hatun Sürücü wird eingeweiht

Ehrengrab für Hatun Sürücü wird eingeweiht
Vor 21 Jahren wurde die Berlinerin Hatun Sürücü von einem ihrer Brüder auf offener Straße erschossen, weil sie ein unabhängiges Leben führte. In Berlin-Gatow erhält sie nun ein Ehrengrab.

Berlin (epd). In Berlin-Spandau wird am Mittwoch ein Ehrengrab für die vor über 20 Jahren ermordete Deutsch-Türkin Hatun Sürücü (1982-2005) eingeweiht. Es befindet sich auf dem islamischen Teil des Landschaftsfriedhofs Gatow. An einer Gedenkveranstaltung zur Einweihung des Ehrengrabs will Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) teilnehmen, wie das Bezirksamt Spandau am Freitag mitteilte. Ein Bruder der damals 23 Jahre alten Berlinerin kurdischer Herkunft erschoss Sürücü, da sie ein freies, selbstbestimmtes Leben führte.

Mit dem Ehrengrab soll Hatun Sürücü dauerhaft gewürdigt werden. Zugleich wolle das Bezirksamt Spandau ein „sichtbares Zeichen des Gedenkens und gegen Gewalt an Frauen“ setzen. Zur feierlichen Einweihung werden auch die Frauenrechtlerin Seyran Ates und der Sohn von Hatun Sürücü, Can Sürücü, erwartet. Im Rahmen der Einweihung wird auch eine Gedenktafel enthüllt.

Mit Ehrengräbern würdigt das Land Berlin Personen, deren „Andenken in der Öffentlichkeit fortlebt“. Die Anerkennung als Ehrengrabstätte erfolgt durch Senatsbeschluss. Derzeit gibt es 687 Ehrengräber.

Bruder erhielt Jugendstrafe

Hatun Sürücü wurde am Abend des 7. Februar 2005 auf offener Straße in Berlin-Tempelhof mit drei Schüssen in den Kopf ermordet. Der Femizid im Namen der „Ehre“ an der alleinerziehenden Mutter erschütterte damals das Land.

Der zum Tatzeitpunkt 19-jährige Bruder Ayhan legte im Prozess als einziger ein Geständnis ab und bestritt die Mittäterschaft seiner Brüder. Er wurde nach Jugendstrafrecht wegen Mordes zu einer Haftstrafe von neun Jahren und drei Monaten verurteilt und später in die Türkei abgeschoben.