Experte: In jeder Jazzmusik ist der Geist von Miles Davis zu hören

Experte: In jeder Jazzmusik ist der Geist von Miles Davis zu hören
Der Trompetensound von Miles Davis ist nach Einschätzungen des Folkwang-Professors Carniaux noch heute sofort erkennbar. Der Musiker habe immer Neues entdeckt und den Jazz auch mit Rock, Pop und Hip-Hop gemischt.
21.05.2026
epd
epd-Gespräch: Holger Spierig

Essen (epd). Vor 100 Jahren wurde der Jazztrompeter Miles Davis (1926-1991) geboren, und sein Einfluss ist nach Einschätzung des US-Experten Ryan Carniaux noch heute allgegenwärtig. „In jeder Jazzmusik, die gespielt wird, ist der Geist von Miles Davis zu hören“, sagte der US-Trompeter, der an der Essener Folkwang Universität Jazztrompete unterrichtet, dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Schon sein Trompetensound ist einzigartig.“ Wer Miles einmal gehört habe, könne ihn innerhalb von ein paar Noten erkennen.

Davis habe die Neugier und die Courage gehabt, Neues auszuprobieren und mit der Zeit zu gehen, sagte Carniaux. Er sei nicht nur von Jazz- sondern auch von Pop-Musikern, wie etwa Prince, verehrt worden. Davis, der bereits früh Erfolge mit Bebop und Cool-Jazz feierte, mischte Jazz auch mit Rock, Pop und Hip-Hop. Der Musiker kam am 26. Mai 1926 zur Welt, er starb im Jahr 1991 mit 65 Jahren.

Sound, Melodie und Rhythmus-Gefühl

Bei Miles Davis sei der Sound, die Melodie und sein Rhythmus-Gefühl zentral, sagte der Professor für Jazztrompete. Davis sei auch ein leidenschaftlicher Boxer gewesen, das habe vermutlich sein rhythmisches Gefühl geprägt. Auch wenn er die Stile gewechselt habe, so habe es immer ein übergeordnetes Konzept von Sound gegeben. Seine Besonderheit sei gewesen, in seinen Improvisationen kleine melodische Motive zu entwickeln.

Der besondere Sound hängt laut Carniaux auch mit Miles' Equipment zusammen: Er spielte eine Martin Committee Trompete mit einem Mundstück, das fast wie ein Horn-Mundstück geformt sei. Damit habe er leichter die typischen „Bendings“ - Veränderungen in der Tonhöhe - oder kurzzeitige Ausflüge in fremde Tonarten innerhalb einer Melodie spielen können.