Frankfurt a.M., Genf (epd). Der Ebola-Ausbruch im Osten der Demokratischen Republik Kongo hat die Region weiter fest im Griff. Trotz der Bemühungen zur Eindämmung fürchtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Anstieg der Fallzahlen im Ostkongo und in anderen Ländern. Das Virus breite sich auch in städtischen Gebieten aus, erklärte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf. Aus Sicht der Hilfsorganisation IRC sind die internationalen Kürzungen in der Entwicklungshilfe für das Infektionsgeschehen mitverantwortlich.
Tedros sprach von fast 600 Verdachtsfällen und 139 mutmaßlich an Ebola gestorbenen Menschen. Es seien auch Todesfälle unter dem medizinischen Personal gemeldet worden, was auf eine Übertragung im Gesundheitswesen hindeute. Am Dienstag meldeten kongolesische Behörden noch 513 Verdachtsfälle und 131 mutmaßliche Todesfälle.
Notstand ausgerufen
Der Ebola-Ausbruch in der kongolesischen Ituri-Provinz war Ende vergangener Woche bekannt geworden. Bereits am Sonntag rief die WHO einen internationalen Gesundheitsnotstand aus. Gegen die Bundibugyo-Variante, die für das Infektionsgeschehen verantwortlich ist, gibt es keine zugelassenen Impfstoffe oder Therapeutika.
In der betroffenen Region im Kongo gebe es erhebliche Bevölkerungsbewegungen, sagte WHO-Chef Tedros. Die Provinz Ituri sei zudem äußerst unsicher. Der dort herrschende Konflikt habe sich seit Ende 2025 verschärft, wodurch mehr als 100.000 Menschen neu vertrieben worden seien.
Finanzierung für Gesundheitsprogramme eingestellt
Das „International Rescue Committee“ (IRC) kritisierte angesichts der Ausbreitung des Virus die Kürzungen in der internationalen Entwicklungshilfe. So fehle Geld für Gesundheits- und Vorsorgeprogramme, was auch das frühzeitige Erkennen der Krankheit behindert habe.
„Die Hilfskürzungen haben die Region in eine äußerst gefährliche Lage gebracht“, sagte IRC-Landesdirektorin Heather Reoch Kerr. Der starke Anstieg der gemeldeten Fälle in den vergangenen Tagen mache deutlich, dass jetzt erst Übertragungen erfasst würden, die vermutlich vor längerem stattgefunden hätten.
Die Hilfsorganisation verwies darauf, dass vor 2025 noch zahlreiche Gesundheits- und Vorsorgeprogramme der Organisation im Osten der Demokratischen Republik Kongo von der US-Regierung finanziert worden seien. Ein Großteil dieser Finanzierung für Nichtregierungsorganisationen sei jedoch im März 2025 zu Ende gegangen. Allein das IRC habe die Programmarbeit deshalb in der Provinz Ituri, wo die aktuelle Ebola-Epidemie ihren Ursprung nahm, von fünf auf zwei Gebiete reduzieren müssen.
Bewaffnete Gruppen weiter aktiv
Auch die Diakonie Katastrophenhilfe sieht bei der Eindämmung des Virus in den von Konflikten geprägten Regionen im Ostkongo eine große Herausforderung. Einige bewaffnete Gruppen in Ituri seien trotz der Epidemie weiter aktiv und töteten Menschen, sagte der Landesbüroleiter des evangelischen Hilfswerks, Josue Ibulungu. In anderen Provinzen nähmen die bewaffneten Akteure die Lage ernster und kooperierten.
Ibulungu kritisierte zudem die mangelnde Ausstattung des Gesundheitspersonals: „Es fehlt an adäquater und ausreichender Schutzausrüstung“, sagte er.
Das Ebola-Fieber ist eine hochansteckende, schwere Infektion. Eine Erkrankung nach einer Ansteckung mit der Bundibugyo-Variante verläuft nach Einschätzung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC in 25 bis 50 Prozent der Fälle tödlich.




