Organisation: Hilfskürzungen leisten Ebola-Ausbreitung Vorschub

Organisation: Hilfskürzungen leisten Ebola-Ausbreitung Vorschub
Einschnitte in Gesundheitsprogrammen im Ostkongo haben laut der Hilfsorganisation IRC dazu beigetragen, dass der jüngste Ebola-Ausbruch so spät entdeckt wurde. Experten sprechen von dramatischen Zahlen.

Berlin, Kinshasa (epd). Für die schnelle Ausbreitung des Ebola-Virus im Ostkongo sind laut der Hilfsorganisation IRC die Kürzungen in der internationalen Entwicklungshilfe mitverantwortlich. So fehle Geld für Gesundheits- und Vorsorgeprogramme, was auch das frühzeitige Erkennen der Krankheit behindert habe, erklärte IRC am Mittwoch in Kinshasa.

„Die Hilfskürzungen haben die Region in eine äußerst gefährliche Lage gebracht“, sagte IRC-Landesdirektorin Heather Reoch Kerr. Der starke Anstieg der gemeldeten Fälle in den vergangenen Tagen mache deutlich, dass jetzt erst Übertragungen erfasst würden, die vermutlich vor längerem stattgefunden hätten.

Experte: Ausbruch „schon eine ganze Zeit fortgeschritten“

Es müsse angenommen werden, dass der Ausbruch „schon eine ganze Zeit fortgeschritten ist, ohne dass das diagnostiziert werden konnte“, erklärte auch der Ebola-Experte Maximilian Gertler von „Ärzte ohne Grenzen“ am Mittwoch im RBB-Hörfunk. Er nannte die Fallzahlen beim aktuellen Ausbruch „wirklich dramatisch“. Bis Dienstag waren in der Demokratischen Republik Kongo über 500 Verdachtsfälle und mehr als 130 mutmaßliche Ebola-Tote gemeldet worden.

Solche Epidemien im Ostkongo seien auch deshalb so dramatisch, weil es in der betroffenen Region keine vernünftige Gesundheitsversorgung gebe, sagte Gertler, der als Epidemiologe an der Berliner Charité arbeitet. Zudem sei die Region von militärischen Konflikten und politischer Instabilität geschwächt.

Kein Geld für Infrastruktur und Prävention

IRC verwies darauf, dass vor 2025 noch zahlreiche Gesundheits- und Vorsorgeprogramme der Organisation im Osten der Demokratischen Republik Kongo von der US-Regierung finanziert worden seien. Dazu hätten neben der Behandlung übertragbarer und nicht übertragbarer Erkrankungen auch Krankheitsüberwachungssysteme sowie Infrastruktur für Wasser, Sanitärversorgung und Infektionsprävention gehört. Abfallentsorgung, Triage-Zonen, Handwaschstationen, Duschen und Latrinen seien unverzichtbare Elemente für den sicheren Umgang mit Ausbrüchen infektiöser Krankheiten.

Ein Großteil dieser Finanzierung für Nichtregierungsorganisationen habe jedoch im März 2025 geendet. Allein IRC habe die Programmarbeit deshalb in der Provinz Ituri, wo die aktuelle Ebola-Epidemie ihren Ursprung nahm, von fünf auf zwei Gebiete reduzieren müssen.

US-Arzt zur Behandlung in Berliner Charité

Der jüngste Ebola-Ausbruch ist durch den Virusstamm Bundibugyo verursacht, gegen den es noch keinen zugelassenen Impfstoff gibt. Die Krankheit verläuft in vielen Fällen tödlich, für die Überlebenschancen ist eine frühzeitige Behandlung der Symptome entscheidend.

Unterdessen ist in der Nacht auf Mittwoch der US-amerikanische Arzt, der sich bei seiner Arbeit im Kongo mit dem Virus infiziert haben soll, am Flughafen Berlin-Brandenburg gelandet und in die Charité gebracht worden. Das bestätigte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums. Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte Deutschland aufgrund der Erfahrungen im Umgang mit Ebola und der kürzeren Flugzeit in die Bundesrepublik um die Behandlung gebeten. Das CDC informierte am Dienstag zudem über fünf weitere Kontaktpersonen, die zur Überwachung nach Deutschland kommen sollten.