Frankfurt a.M. (epd). Angesichts des Ebola-Ausbruchs im Osten der Demokratischen Republik Kongo warnen Hilfswerke vor einer humanitären Katastrophe. Der Ausbruch in Ituri treffe Menschen, „die ohnehin am Limit leben“, sagte der Geschäftsführer von „Ärzte ohne Grenzen“, Christian Katzer, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Montag. Besonders alarmierend sei die schnelle Zunahme der Fallzahlen und die regionale Ausbreitung bis nach Uganda.
Der Alltag sei oft von Unsicherheit und Gewalt geprägt und der Zugang zu medizinischer Versorgung sehr eingeschränkt, sagte Katzer: „Jetzt droht aus Unsicherheit eine Katastrophe zu werden.“ Auch die Welthungerhilfe und das Medikamenten-Hilfswerk action medeor äußerten sich besorgt.
Hunderte Verdachtsfälle
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte nach dem Ebola-Ausbruch in der kongolesischen Ituri-Provinz am Sonntag einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Bis Samstag gab es demnach acht bestätigte Erkrankungen sowie mehr als 240 Verdachtsfälle und mindestens 80 mutmaßliche Todesfälle. Zwei Fälle seien zudem in Ugandas Hauptstadt Kampala bestätigt worden.
Die WHO warnte, dass das tatsächliche Ausmaß des Ausbruchs die bisher erfassten Zahlen deutlich übertreffen könnte. Der Generaldirektor der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC, Jean Kaseya, nannte gegenüber der britischen BBC am Montag die Zahl von mehr als 390 Verdachtsfällen und mindestens 100 Toten.
Bedrohung durch bewaffneten Gruppe
Katzer verwies darauf, dass es für den Virus-Stamm, der für den Ausbruch verantwortlich ist, weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine zugelassene Behandlung gebe. „Jetzt zählt entschlossenes Handeln, um Infektionsketten zu unterbrechen“, unterstrich der Geschäftsführer der deutschen Sektion von „Ärzte ohne Grenzen“.
Das Medikamenten-Hilfswerk action medeor ergreift aufgrund des Ausbruchs Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter und die Bewohner von Flüchtlingslagern in der Provinz Süd-Kivu im Ostkongo. Dort sei, anders als im benachbarten Nord-Kivu, das Virus zwar noch nicht festgestellt worden, sagte der Sprecher der Organisation, Markus Bremers, dem epd. Wegen der Bedrohung durch bewaffnete Banden seien aber viele Menschen in der Region unterwegs, was die Verbreitung von Ebola deutlich begünstigen könne.
Die Leiterin des Büros der Welthungerhilfe im Kongo, Ursula Langkamp, warnte vor einer „weiteren Notlage in der herrschenden humanitären Krise“. Die Menschen im Osten des Landes kämen seit Jahren nicht zur Ruhe - „erst Hunger, Gewalt und Vertreibung, und nun auch noch Ebola“.
In 30 bis 90 Prozent der Fälle tödliche
Das Ebola-Fieber ist eine hochansteckende schwere Infektion. Das Virus wurde 1976 bei einem zeitgleichen Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo (damals Zaire) und im Sudan entdeckt und nach dem Ebola-Fluss im Kongo benannt. Das Virus wird vermutlich über den Kontakt mit infizierten Tieren wie Affen und Fledermäusen aufgenommen. Die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt über Körperflüssigkeiten von Erkrankten - oder auch bei der Aufbahrung der Toten.
Eine unbehandelte Ebola-Infektion verläuft laut Robert Koch Institut (RKI) in 30 bis 90 Prozent der Fälle tödlich. Der aktuelle Ausbruch im Kongo und Uganda wurde durch die Bundibugyo-Variante ausgelöst, gegen die es - anders als bei der Zaire-Variante - keinen Impfstoff gibt.




