Gewalt bei Protesten in Bolivien eskaliert

Gewalt bei Protesten in Bolivien eskaliert
Die Gewalt bei Protesten gegen die Regierung in Bolivien nimmt zu. Mindestens ein Mensch kommt ums Leben.

Berlin, La Paz (epd). In Bolivien ist die Gewalt zwischen Protestierenden und der Regierung eskaliert. Am Sonntag (Ortszeit) räumte die Regierung ein, dass bei der Räumung von Straßenblockaden bislang ein Mensch ums Leben kam, weitere Personen seien mit Schusswunden in Krankenhäuser eingeliefert worden.

Laut der Zeitung „El Deber“ erklärte der Regierungssprecher José Luis Gálvez allerdings, dass die getötete Person nicht durch das Handeln von Polizei und Militär ums Leben kam. Die teils auch für die innere Sicherheit des Landes zuständige Marine sprach von massiver Gewalt der Protestierenden, die Soldaten mit Steinen und Dynamitstangen angegriffen hätten, berichtete die Zeitung „La Razón“.

Ombudsstelle mahnt zum Dialog

Angesichts der Gewalt rief die nationale Ombudsstelle für Menschenrechte, Defensoria, zum Dialog auf. Keine politische Forderung rechtfertige das Blockieren von Straßen und die dadurch entstehenden Versorgungsengpässe für die Bevölkerung. Ebenso seien Aufrufe zur gewaltsamen Räumung deplatziert, erklärte die Ombudsstelle in einem Kommuniqué.

Präsident Rodrigo Paz bedankte sich derweil auf der Internet-Plattform X bei seinem Amtskollegen Javier Milei aus Argentinien für das Ausleihen von Transportflugzeugen, um die Versorgung der Verwaltungshauptstadt La Paz aufrechtzuerhalten. Zur Gewalt äußerte sich Paz nicht. Sein Vizepräsident Edmand Lara verlangte hingegen das Absetzen der für die gewalttätigen Zwischenfälle verantwortlichen Polizei- und Militärkommandanten.

Seit einem halben Jahr regiert in Bolivien der Christdemokrat Rodrigo Paz. Er hat das Land nach knapp 20 Jahren Regierungszeit von der „Bewegung zum Sozialismus“ (MAS) übernommen. Durch eine wirtschaftliche Öffnung versucht Paz, die kriselnde Wirtschaft des Landes wieder in Gang zu bringen. Dagegen protestieren insbesondere jene Berufsgruppen, die von der Sozialpolitik der MAS profitiert hatten.