Unicef und Linke fordern gezielte Hilfen für benachteiligte Kinder

Unicef und Linke fordern gezielte Hilfen für benachteiligte Kinder
Platz 25 von 37 beim Wohlbefinden von Kindern: Deutschland liegt laut Unicef weit hinter Nachbarländern wie den Niederlanden, Dänemark und Frankreich. Das UN-Kinderhilfswerk und die Linke fordern Investitionen in Kitas und Gesundheit.
17.05.2026
epd
Von Marc Patzwald (epd)

Köln (epd). Unicef und die Linksfraktion im Bundestag fordern von der Bundesregierung mehr Unterstützung für Kinder in benachteiligten Familien. „Unser Land vergibt Zukunftschancen“, erklärte der Geschäftsführer des deutschen Ablegers des UN-Kinderhilfswerks, Christian Schneider, am Sonntag in Köln. In einem Bericht des Unicef-Forschungsinstituts Innocenti zum Wohlbefinden von Kindern in wohlhabenden Ländern belegt Deutschland nur Platz 25 von 37. Die Linken-Fraktionsvize Nicole Gohlke sprach von einem Skandal.

Innocenti vergleicht den Angaben zufolge seit dem Jahr 2000 regelmäßig die Situation von Kindern in den wohlhabenden Ländern der Welt. Zur Einordnung blickt der Bericht auf die physische und mentale Gesundheit sowie die erworbenen Fähigkeiten der Kinder. Auf den vorderen drei Plätzen liegen die Niederlande, Dänemark und Frankreich. Selbst Länder mit geringerer Wirtschaftskraft wie Portugal (Platz vier) und Litauen (Platz sieben) schnitten besser ab als Deutschland.

Kinder aus privilegierten Familien haben mehr Kompetenzen

„Alarmierend ist auch Deutschlands Abschneiden im Bereich Bildung: Nur 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen die Mindestkompetenzen in Lesen und Mathematik“, kritisierte Unicef Deutschland. Dabei seien die Unterschiede zwischen Jugendlichen aus sozioökonomisch benachteiligten und aus privilegierten Familien besonders groß. So erzielten nur 46 Prozent der Jugendlichen aus benachteiligten Familien die grundlegenden Kompetenzen, bei Jugendlichen aus privilegierten Familien seien es 90 Prozent.

„Ökonomische Benachteiligung und mangelnde Teilhabe beeinträchtigen den gesamten Alltag von Kindern - etwa durch schlechte Wohnverhältnisse mit wenig Rückzugsräumen, schlecht ausgestattete Schulen und benachteiligte Nachbarschaften, in denen beispielsweise Kinderärzte oder Spielplätze fehlen“, erklärte Unicef Deutschland. Finanzielle Unsicherheit erhöhe den Stress in Familien und könne die Beziehung zwischen Eltern und Kindern beeinträchtigen.

Kampf gegen Kinderarmut solle priorisiert werden

Geschäftsführer Schneider verlangte, dass die Bekämpfung von Kinderarmut „politische Top-Priorität“ werden müsse. Konkret fordert Unicef Deutschland Kinderbeauftragte auf Bund- und Länderebene, Kooperationen zwischen Kinder- und Jugendhilfe sowie Schulen in benachteiligten Wohnvierteln und die gezielte Förderung von Schulen, Kitas sowie einer besseren Gesundheitsversorgung.

Ähnlich äußerte sich die Linken-Fraktionsvize Gohlke im „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (RND/Sonntag Online). Gezielte Investitionen in die soziale Infrastruktur seien nötig. Ein gutes Aufwachsen dürfe nicht mehr vom Kontostand der Eltern abhängen. „Wir fordern nicht nur die sofortige Verankerung starker, einklagbarer Kinderrechte im Grundgesetz, sondern auch eine echte, armutsfeste Kindergrundsicherung anstelle der bisherigen politischen Placebos.“