Sekten-Experte Pöhlmann warnt trotz Beobachtungs-Ende vor Scientology

Sekten-Experte Pöhlmann warnt trotz Beobachtungs-Ende vor Scientology
Nach dem Aus der Verfassungsschutz-Beobachtung sieht der evangelische Sektenbeauftragte Matthias Pöhlmann weiterhin totalitäre und antidemokratische Ziele bei Scientology. Die Organisation arbeite zunehmend über Tarnstrukturen und bleibe gefährlich.
16.05.2026
epd
epd-Gespräch: Daniel Staffen-Quandt

München (epd). Scientology verfolgt nach Einschätzung des evangelischen Sekten-Experten Matthias Pöhlmann weiterhin totalitäre und verfassungsfeindliche Ziele. Die Beendigung der Beobachtung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz sei angesichts der merklich gesunkenen öffentlichen Wahrnehmung von Scientology zwar erwartbar gewesen, sagte Pöhlmann am Samstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Gleichwohl sei die Organisation nach wie vor gefährlich und auf jeden Fall antidemokratisch.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat nach Medienberichten vom Freitag die planmäßige Beobachtung von Scientology eingestellt. Die Organisation selbst begrüßte die Entscheidung am Freitagabend in einer Pressemitteilung.

Pöhlmann sagte, bundesweit habe die „Scientology Kirche Deutschland“, wie sich der eingetragene Verein offiziell nennt, um die 3.600 Mitglieder, rund 1.300 davon in Bayern. Inzwischen trete die Organisation öffentlich nur noch selten unter ihrem eigentlichen Namen auf. Der Schwerpunkt der Arbeit liege inzwischen auf „Neben- und Tarnorganisationen“, wie zum Beispiel die „Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte“ oder die Kampagnen „Sag Nein zu Drogen, Sag ja zum Leben“ oder „Der Weg zum Glücklichsein“.

Experte: Scientology hat totalitäre Zielsetzungen

Die Entscheidung des Bundesamtes für Verfassungsschutz erwecke „den gefährlichen Eindruck“, als sei Scientology eine Weltanschauungsgemeinschaft wie andere, sagte Pöhlmann, der Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen bei der bayerischen evangelischen Landeskirche ist. Es sei aber nach wie vor so, dass Scientology viele seiner Mitglieder in enorme psychische und finanzielle Abhängigkeiten stürze: „Diese Organisation missachtet unter anderem das Grundrecht auf freie Meinungsäußerungen massiv.“

Der gedankliche Überbau bei Scientology fuße auf der Idee eines „Übermenschentums“. Auf der guten und richtigen Seite stünden die Scientologen, alle anderen seien Feinde, die bekämpft werden müssen, erläuterte der evangelische Sekten-Experte. Es gelte nun sehr genau hinzuschauen, wie Scientology auf den Rückzug des Bundesamts für Verfassungsschutz reagiere: „Ich stelle mir schon die Frage: Wer schaut denn da jetzt noch genau drauf?“ Die totalitären Zielsetzungen jedenfalls bestünden bei Scientology nach wie vor.