Streit um politische Rolle der Kirchen: Klöckner gegen Bedford-Strohm

Streit um politische Rolle der Kirchen: Klöckner gegen Bedford-Strohm
Bundestagspräsidentin Klöckner fordert von den Kirchen mehr Zurückhaltung in politischen Debatten - und erntet Widerspruch. Einmischung sei Teil des christlichen Selbstverständnisses, betont der frühere EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm.

Würzburg (epd). Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hat den Kirchen erneut vorgehalten, sich zu stark in die Tagespolitik einzumischen. „Wenn ich eine Stellungnahme zu einem Tempolimit von 120 von der Kirche bekomme, dann kann sie das natürlich tun“, sagte Klöckner am Rande des Katholikentages in Würzburg im Fernsehsender „phoenix“: „Aber das wird die Menschen nicht in die Kirche bringen.“ Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm widersprach der Kritik. „Die Kirchen müssen sich einmischen“, sagte er am Samstag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

„Wer Einmischung in die Politik nur dann wertschätzt, wenn sie die eigenen politischen Ziele stärkt, der hat etwas Grundlegendes am Christentum missverstanden“, fügte der frühere bayerische Landesbischof und aktuelle Vorsitzende des Weltkirchenrates hinzu: „Ich habe es immer als Stärke unserer politischen Kultur in Deutschland empfunden, dass man die Wortmeldungen der Kirchen in politischen Debatten ausdrücklich begrüßt hat, auch dann, wenn sie Anlass für die eigene kritische Selbstreflexion gaben.“

Bedford-Strohm: Selbstverständlichkeiten

Klöckner erklärte im Sender „phoenix“, dass die Kirchen in Zeiten von Krisen und Kriegen, wie auch wachsender Unsicherheit Orientierung geben könnten. „Die Relevanz ist gerade bei Kirchen die, dass sie über den Alltag hinausweist, dass sie eben nicht eine innerweltliche Gruppierung, eine weitere NGO ist“, sagte die Bundestagspräsidentin. Bei den Kirchen gehe es um das Thema Hoffnung, um das Menschsein und das Zusammenleben in einer Gesellschaft.

„Was sie da sagt, sind Selbstverständlichkeiten“, entgegnete Bedford-Strohm: „Natürlich darf die Kirche kein Parteitag sein! Natürlich darf sie sich nicht in Ethik erschöpfen! Natürlich wäre Austauschbarkeit und Beliebigkeit, ein Hinterherrennen hinter dem Zeitgeist, der Tod der Kirche!“ Eines sei klar: „Die Kirchen werden sich auch heute von niemandem den Mund verbieten lassen, wenn es darum geht, öffentlich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einzutreten.“