Gleichstellungsbeauftragte fordert von Männern Nein zu Frauenhass

Gleichstellungsbeauftragte fordert von Männern Nein zu Frauenhass
Gleichstellungsbeauftragte aus ganz Deutschland beraten Anfang nächster Woche in Lübeck über Strategien gegen Antifeminismus. Der Lübecker Gleichstellungsbeauftragten Elke Sasse zufolge ist das auch dringend nötig.
13.05.2026
epd
epd-Gespräch: Von Nadine Heggen

Lübeck (epd). Frauenhass ist nach Ansicht der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Lübeck, Elke Sasse, ein wachsendes Problem. „Sexistische Witze und verbale Attacken gegenüber Frauen nehmen wieder zu“, sagte die Gastgeberin eines Treffens von Gleichstellungsbeauftragten aus ganz Deutschland Anfang nächster Woche im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Studentinnen erzählten ihr, dass sie von Männern wieder häufiger einen Klaps auf den Po bekämen. Von Lehrkräften höre sie, dass junge Männer oft dächten, über Frauen bestimmen zu können.

Die Gründe dafür sind nach Meinung von Sasse vielfältig. Einerseits propagiere die AfD das traditionelle Rollenbild mit der Frau zu Hause am Herd. Außerdem beleidige US-Präsident Donald Trump Frauen öffentlich und betreibe in Teilen eine frauenfeindliche Politik. „Andererseits glaube ich, dass viele Menschen verunsichert sind angesichts der vielen Krisen auf der Welt. Das traditionelle Familienbild gibt ihnen vermeintlich Stabilität“, erläuterte Sasse.

Feministische Männer „müssen aber auch ihren Mund aufmachen“

Sie rät dazu, gesellschaftlich Männer mehr in die Pflicht zu nehmen. „Viele Männer sind Feministen. Sie müssen aber auch ihren Mund aufmachen, wenn sie Sexismus oder gar Frauenhass wahrnehmen.“ Sasse ist seit 1998 Gleichstellungsbeauftragte der Lübecker Stadtverwaltung. Anfangs seien ihr Widerstand und Skepsis begegnet, erinnert sie sich. Mittlerweile werde die Expertise des fünfköpfigen Frauenbüros aber sehr geschätzt.

Dennoch gebe es auch auf Verwaltungsebene weiterhin viel zu tun. Am 18. und 19. Mai treffen sich Gleichstellungsbeauftragte aus ganz Deutschland in Lübeck zur 29. Bundeskonferenz. Unter dem Motto „Feministischer Kompass - Kurs halten in antifeministischen Gewässern“ beraten sie über Strategien gegen Antifeminismus.

Zu wenig Frauen in Parlamenten

„Strukturell brauchen wir ein Paritätsgesetz für Parlamente“, unterstrich Sasse. In der Lübecker Stadtvertretung etwa sitzen nach ihren Worten nur 24 Prozent Frauen, „das ist viel zu wenig“. In den kommenden Wochen will die Landesregierung in Schleswig-Holstein einen Entwurf zur Erneuerung des 30 Jahre alten Gleichstellungsgesetzes vorlegen, an das die Lübecker Gleichstellungsbeauftragte bestimmte Erwartungen hat: „Wir sehen zum Beispiel ein Klagerecht für Gleichstellungsbeauftragte als notwendig an, um Einzelfall-Diskriminierungen, die strukturell bedingt sind, angehen zu können.“

Bislang beziehe das Gesetz die kommunalen Gesellschaften wie Stadtwerke und Krankenhäuser nicht mit ein. „In Lübeck wird mit der Musik- und Kongresshalle nur eine von gut 20 städtischen Gesellschaften von einer Frau geleitet“, kritisierte Sasse.