Berlin, Brindisi (epd). Die italienische Justiz ermittelt nach Angaben von Sea Watch gegen den Kapitän des Rettungsschiffs „Sea-Watch 5“. Ihm werde „Beihilfe zur unerlaubten Einreise“ vorgeworfen, erklärte die Hilfsorganisation am Samstag. Zuletzt sei vor sechs Jahren in Italien ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen ein ziviles Rettungsschiff eingeleitet worden.
Die „Sea-Watch 5“ war der Hilfsorganisation zufolge am Montag im Mittelmeer in internationalen Gewässern von einer libyschen Patrouille bedroht und beschossen worden, nachdem es 90 Menschen aus Seenot gerettet hatte. Demnach feuerte die Küstenwache zahlreiche Schüsse ab und drohte damit, das Schiff zu entern und nach Libyen zurückzubringen.
Dokumente beschlagnahmt
Am Freitagvormittag lief es mit 166 geretteten Personen im Hafen von Brindisi ein. Kurz darauf gingen laut Sea Watch Beamte der Küstenwache sowie Polizei an Bord. „Sie blieben dort bis weit nach Mitternacht, beschlagnahmten Dokumente sowie Equipment und brachten zwei Crewmitglieder zur polizeilichen Vernehmung auf die Wache“, teilte die Organisation weiter mit. Die Staatsanwaltschaft in Brindisi war am Samstag zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Sea Watch sprach von einer „absurden Eskalation“. „Wir sind fassungslos. Nachdem wir Anfang der Woche auf hoher See von Italiens libyschen Partnern fast entführt wurden, folgt nun der nächste Angriff durch den italienischen Staat in Form strafrechtlicher Ermittlungen“, erklärte Sprecherin Giulia Messmer.
Ermittlungen gegen Rackete und „Iuventa“-Crew eingestellt
Die italienische Justiz hatte 2019 Ermittlungen wegen Begünstigung illegaler Einwanderung gegen die damalige Kapitänin der „Sea-Watch 3“, Carola Rackete, eingeleitet. Das Verfahren wurde 2021 eingestellt. Auch gegen Crewmitglieder des Schiffs „Iuventa“ wurde dieser Vorwurf erhoben, das Verfahren wurde nach sieben Jahren 2024 niedergeschlagen.
Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten weltweit. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit Jahresbeginn mehr als 1.200 Menschen auf der Route nach Europa gestorben oder sie werden vermisst.




