Rentenexpertin kritisiert Merz-Äußerungen zur Altersvorsorge

Rentenexpertin kritisiert Merz-Äußerungen zur Altersvorsorge
Die Rentenexpertin Marlene Haupt hält eine Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Thema Altersvorsorge für problematisch. Er lasse Feingefühl vermissen, zudem fehle vielen Menschen die Möglichkeit zu sparen.

Köln, München (epd). Eine Äußerung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zur künftigen Altersvorsorge stößt bei der Münchner Rentenexpertin Marlene Haupt auf Widerspruch. Dem Deutschlandfunk sagte sie am Samstag, das größte Problem an Merz' Äußerung sei die „politische Kommunikation, die politische Vermittlung und das Feingefühl zu verstehen, in welchen Situationen sich eben viele Menschen befinden“. Merz hatte gesagt, die gesetzliche Rentenversicherung werde künftig „allenfalls noch die Basisabsicherung für das Alter sein“ und nicht mehr ausreichen, um den Lebensstandard zu sichern.

Die Professorin für Volkswirtschaftslehre und Sozialpolitik an der Hochschule München betonte, die gesetzliche Rentenversicherung bilde hierzulande seit jeher den Großteil der Alterssicherungsleistungen breiter Bevölkerungsgruppen. Diesen Menschen jetzt zu vermitteln, dass Modell so umzubauen, „dass es nur noch eine Grundsicherung ist, ist, glaube ich, nichts, was sich politisch vermitteln lässt, auch nicht an zukünftige Generationen“.

Gesetzliche Rente gleichbedeutend mit Altersarmut

Haupts Worten zufolge wird es Menschen geben, die neben der gesetzlichen Rente auch privat und betrieblich Altersvorsorge betreiben könnten. Doch mangele es vielen gesetzlich Rentenversicherten an der Möglichkeit zu sparen, sagte sie. Zudem gebe es bei der betrieblichen Altersvorsorge Unterschiede etwa nach Geschlecht, Einkommen und Erwerbsumfang. Menschen in Kleinstbetrieben hätten außerdem „wesentlich seltener eine betriebliche Altersvorsorge als die in Großkonzernen“, erläuterte sie.

Es sei schon jetzt eine Verarmung von Menschen im Rentenalter zu beobachten: Unter Frauen dieses Alters seien 16 Prozent arm, bei den Männern seien es 14 Prozent. Die gesetzliche Rente allein führe vielfach „eben in die Altersarmut“. Wer Menschen in die Lage versetzen wolle, privat für ihr Alter vorzusorgen, müsse Steuern senken und Nettoeinkommen vergrößern, empfahl die Wissenschaftlerin.