Verbände kritisieren mögliche Bußgelder für minderjährige Geflüchtete

Verbände kritisieren mögliche Bußgelder für minderjährige Geflüchtete
Sollen minderjährige Geflüchtete künftig unter Androhung von Bußgeldern dazu verpflichtet werden, ihren Wohnort nicht mehr zu verlassen? Initiativen kritisieren einen entsprechenden Gesetzesentwurf scharf.

Hannover (epd). Der niedersächsische Flüchtlingsrat kritisiert mit weiteren Verbänden die auf Bundesebene geplanten restriktiveren Aufenthaltsvorgaben und Bußgelder für unbegleitete minderjährige Geflüchtete. Grundsätzlich sei es unklar, auf welche Weise solche Bußgelder verhindern würden, dass die Minderjährigen ihren Wohnort verlassen, sagte eine Sprecherin des Flüchtlingsrates in Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die geplanten Änderungen finden sich in einem Referentenentwurf zur Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe.

Das Bundesfamilienministerium hatte den Entwurf im März vorgelegt. Danach sollen ausländische Heranwachsende, die unbegleitet nach Deutschland kommen, auf die Zuständigkeitsbereiche der kommunalen Jugendämter verteilt werden, die dann für Unterbringung und Versorgung verantwortlich sind. Nach Angaben der Bundesregierung wurde im Jahr 2022/2023 die Betreuung bei mehr als jedem Zehnten eingestellt, weil der zugeteilte Wohnort verlassen wurde. In Zukunft könnte dafür ein Bußgeld drohen.

Entwurf nimmt Ursachen nicht in den Blick

„Bußgelder bedeuten nur einen höheren Verwaltungsaufwand und Kosten für die Kommune und würden an der Situation nichts verändern“, sagte Friederike Vorwergk für den Flüchtlingsrat. Bußgelder adressierten auch nicht die Ursache, warum der Wohnort verlassen werde. „Außerdem haben Minderjährige kein Einkommen. Wie sollen die Bußgelder durchgesetzt werden?“

Vorwergk kritisierte auch das Signal, das mit der Androhung einer Geldstrafe ausgesendet werde. Ein Bußgeld schütze nicht, sondern verhindere womöglich, dass Jugendliche sich an Behörden oder das Jugendamt wendeten, wenn sie Schutz bräuchten, da sie Angst vor Strafen hätten. „Das schafft kein Vertrauen, sondern führt eher ins Gegenteil und dient nicht dem Kindeswohl.“