Neuer Reservisten-Präsident: Altersgrenze auf 70 Jahre erhöhen

Neuer Reservisten-Präsident: Altersgrenze auf 70 Jahre erhöhen
Wer bei der Bundeswehr gedient hat, kann später zu Reserve-Übungen aufgefordert werden. Der neue Verbandspräsident Bastian Ernst plädiert dafür, verstärkt auch ältere Reservisten heranzuziehen.

Hannover, Bonn (epd). Der neue Präsident des Reservistenverbandes, Bastian Ernst, hat gefordert, die Altersgrenze für Bundeswehr-Reservisten von 65 auf 70 Jahre zu erhöhen. So könne Deutschlands Verteidigungsfähigkeit gestärkt werden, sagte 39-jährige CDU-Politiker und Bundestagsabgeordnete aus Delmenhorst bei Bremen dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (Dienstag): „Wir sollten diese Ressourcen von Menschen mit Lebens- und Berufserfahrung nicht verschwenden.“ Das Renteneintrittsalter steige auch sonst. Die Menschen blieben länger fit.

„Wenn wir auf Seite der Jungen ein Nachwuchsproblem beklagen, sollten wir an der anderen Seite der Alterspyramide ebenfalls nachbessern“, sagte Ernst. Das solle im Reserve-Stärkungsgesetz verankert sein. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will am Mittwoch eine Strategie der Reserve präsentieren und noch im Sommer das Reserve-Stärkungsgesetz vorlegen.

Prinzip der Freiwilligkeit bei Arbeitgebern aufheben

Ernst plädierte zudem dafür, das Prinzip der Freiwilligkeit aufseiten der Arbeitgeber aufzuheben: „Sie sollten kein Einspruchsrecht haben, wenn Reservisten zu Übungen eingezogen werden sollen.“ Die Reservisten selbst sollten aber nicht zu Übungen gezwungen werden. In jedem Fall sei eine Planung nötig, mit wie vielen Reservisten pro Jahr Übungen stattfinden sollten. Dann könnten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer darauf einstellen.

Der studierte Wirtschaftsinformatiker Ernst war Mitte April zum Präsidenten des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr mit Sitz in Bonn gewählt worden, der etwa 110.000 Mitglieder hat. Wie viele Reservisten es insgesamt gibt, lässt sich nach seiner Aussage derzeit nicht genau beziffern. Die Bundeswehr habe derzeit rund 60.000 Reservisten fest eingeplant, diese Zahl solle bis 2035 auf 200.000 steigen.

Insgesamt hätten acht bis neun Millionen Menschen bei der Bundeswehr gedient. Es gehöre zu den Aufgaben der neuen Wehrerfassung, die genaue Zahl der Reservisten zu ermitteln. Ernst, Hauptgefreiter der Reserve, ist seit 2025 Mitglied des Bundestages und gehört dort dem Verteidigungsausschuss an.