Bad Tölz (epd). Gerhard Schmidt-Gaden, Gründer des Tölzer Knabenchors, ist am Sonntag im Alter von 88 Jahren gestorben. Er starb nach längerer Krankheit im oberbayerischen Benediktbeuern, wie der Chor mitteilte. Schmidt-Gaden hatte den Chor 60 Jahre lang geleitet und sei ihm bis zum Schluss aufs Engste verbunden geblieben, hieß es in der Mitteilung.
Der 1937 im böhmischen Karlsbad (heute Tschechien) geborene Schmidt-Gaden gründete den „Tölzer Knabenchor“ 1956 aus einer Pfadfindergruppe. Durch Tonaufnahmen beim Bayerischen Rundfunk im Gründungsjahr wurde der Chor überregional und international bekannt. Der Pädagoge und Dirigent Schmidt-Gaden entwickelte seine eigene Gesangsschule für die Ausbildung der Knabenstimme, seine Kompetenz als Stimmbildner gab er in Meisterkursen in Deutschland, Europa, Südafrika und Japan weiter.
Zusammenarbeit mit Carl Orff und Nikolaus Harnoncourt
Besonders die über 25 Jahre dauernde enge Zusammenarbeit mit dem Komponisten und Musikpädagogen Carl Orff, an dessen Orff-Institut Schmidt-Gaden in Salzburg unterrichtete, habe seine frühe Schaffensphase geprägt, hieß es. Ab 1973 arbeitete Schmidt-Gaden eng mit dem Dirigenten Nikolaus Harnoncourt zusammen: Bei dessen Gesamtaufnahme von Johann Sebastian Bachs Kantatenwerks wirkten der Tölzer Knabenchor und seine Solisten in insgesamt 96 Kantaten maßgeblich mit. Für sein Wirken erhielt Schmidt-Gaden unter anderem 1983 das Bundesverdienstkreuz am Bande und 1994 den Bayerischen Verdienstorden sowie zahlreiche Schallplatten- und CD-Preise.
2016 übergab Schmidt-Gaden nach 60 Jahren die künstlerische Leitung des Chores an seinen Schüler Christian Fliegner. Die Geschäftsführung hatte Tochter Barbara Schmidt-Gaden bereits 2015 übernommen. Der Chor zählt heute vom Nachwuchs bis zu den Solisten und dem Männerchor rund 210 Mitglieder und tritt regelmäßig in Deutschland sowie in fast allen Ländern Europas, in Israel, China, Japan, Korea und den USA auf.



