Mehr Genehmigungen für neue Wohnungen - Fachleute aber skeptisch

Mehr Genehmigungen für neue Wohnungen - Fachleute aber skeptisch

Wiesbaden, Hannover (epd). Die zuständigen Behörden haben im Februar deutlich mehr Genehmigungen für Wohnungen erteilt als ein Jahr zuvor. Die Zahl stieg um 4.300 oder 24,1 Prozent auf 22.200 neu genehmigte Wohnungen, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. In den beiden ersten Monaten dieses Jahres wurde demnach in Deutschland der Bau von 41.700 Wohnungen in neuen oder bereits bestehenden Gebäuden genehmigt. Das waren 16,2 Prozent oder 5.800 Wohnungen mehr als im Januar und Februar 2025.

Besonders stark wuchs die Zahl der behördlichen Erlaubnisse für Neubauwohnungen: im Februar um 30,6 Prozent, in den ersten beiden Monaten um 17,6 Prozent. Für Mehrfamilienhäuser, die zahlenmäßig stärkste Gebäudeart, hätten die Bauaufsichtsbehörden im Januar und Februar 2026 Genehmigungen für 21.900 Neubauwohnungen erteilt. Das sei ein Anstieg um 18,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Fachleute sehen keinen Grund zur Freude

Fachleute sehen indes noch keinen Grund für Entwarnung auf dem angespannten Wohnungsmarkt. Das kommunalpolitisch ausgerichtete Pestel Institut in Hannover etwa sprach trotz der zweistelligen Zuwachsraten auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) von „Trippelschritten“. Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2020 - „und das war nicht die Spitze der Genehmigungen“ - sei ein Rückgang um 16 Prozent zu verzeichnen, erläuterte Institutsleiter Matthias Günther. „Bei 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen und einem hohen Zuzugsbedarf ist das keine ernstzunehmende 'Wende im Wohnungsbau'“, kritisierte er: „Das ist nicht einmal der Ansatz einer Lösung des bestehenden Problems.“

Auch der Deutsche Mieterbund reagierte auf epd-Anfrage skeptisch: Mehr Genehmigungen bedeuteten „noch lange nicht mehr gebaute Wohnungen - und selbst wenn gebaut wird, heißt das nicht, dass der dringend benötigte bezahlbare Wohnraum entsteht“, erklärte Bundesdirektor Florian Becker. Angesichts steigender Bauzinsen und wachsender Materialkosten infolge der Iran-Krise sei außerdem zu erwarten, „dass diese Entwicklung nicht von Dauer sein wird“.