Recherchen zu NS-Verfolgten erreichen neuen Höchststand

Recherchen zu NS-Verfolgten erreichen neuen Höchststand
So viele Menschen wie noch nie haben im Jahr 2025 bei den Arolsen Archives über die Opfer der NS-Verfolgung recherchiert. Neben vielen Suchanfragen von Angehörigen kommen immer mehr von lokalen Gedenkinitiativen.

Bad Arolsen (epd). Mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben so viele Menschen wie noch nie bei den Arolsen Archives über die Opfer der NS-Verfolgung recherchiert. 830.000 Nutzer griffen im Jahr 2025 auf das Online-Archiv zu, fast 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie die Arolsen Archives am Donnerstag im nordhessischen Bad Arolsen mitteilten.

Hinter den meisten Suchanfragen stünden Angehörige von NS-Opfern. „Wir erleben bei den Familien ein jährlich steigendes Bedürfnis nach Aufklärung“, sagte Direktor Moritz Wein, der die Arolsen Archives seit Anfang April leitet. „Unsere humanitäre Mission ist nicht Geschichte - sie ist Gegenwart.“

Auch das allgemeine öffentliche Interesse wachse. Erstmals seien mehr als zehn Prozent der Anfragen von Privatpersonen ohne direkten Familienbezug gekommen. Das spiegele die Entwicklung der Erinnerungskultur wider. In den vergangenen Jahren seien europaweit mehr lokale Gedenkinitiativen entstanden.

Mehr Freiwillige unterstützen digitale Erfassung

Einen Rekord habe es auch bei der Crowdsourcing-Initiative #everynamecounts gegeben. Dabei hätten 216.000 Freiwillige die digitale Erfassung der Dokumente unterstützt, was einem Zuwachs von 70 Prozent entspreche. Sie hätten 1,15 Millionen Dokumente bearbeitet. Parallel dazu stiegen die Nutzerzahlen der 2025 neu gestalteten Webseite der Arolsen Archives um 44 Prozent auf ebenfalls über 830.000. In vier Fällen sei es den Arolsen Archives 2025 gelungen, Nachkommen von NS-Opfern zusammenzubringen, die sich bis dahin nicht kannten.

Die Arolsen Archives sind eine Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus und gehören zum Unesco-Weltdokumentenerbe.