Drei Jahre Sudan-Krieg: Rufe nach Aufmerksamkeit und Hilfe

Drei Jahre Sudan-Krieg: Rufe nach Aufmerksamkeit und Hilfe
Eine internationale Sudan-Konferenz in Berlin soll Aufmerksamkeit auf die Krise lenken. Zum dritten Jahrestag des Kriegsbeginns in dem afrikanischen Land sprechen die Vereinten Nationen von der größten humanitären Krise weltweit.
14.04.2026
epd
Von Moritz Elliesen (epd)

Berlin (epd). Der Krieg im Sudan geht ins vierte Jahr - und Hoffnung auf ein Ende der Kämpfe ist nicht in Sicht. Zum dritten Jahrestag des Kriegsbeginns und vor der internationalen Sudan-Konferenz in Berlin dringen die Vereinten Nationen und Hilfswerke auf mehr Unterstützung und Aufmerksamkeit für die Krise. Der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher rief am Dienstag in Berlin dazu auf, die Gewalt zu stoppen, Zivilisten zu schützen, den Zugang zu notleidenden Menschen sicherzustellen und die humanitäre Hilfe zu finanzieren.

Der UN-Nothilfechef warf der Staatengemeinschaft Versagen vor. Die Welt habe zu wenig für Frieden im Sudan getan, erklärte Fletcher. Nahezu 34 Millionen Menschen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen, das entspreche zwei Dritteln der Bevölkerung. Damit litten die Menschen im Sudan unter der größten humanitären Krise weltweit. Millionen Menschen seien auf der Flucht vor der Gewalt.

Drei Jahre Krieg im Sudan

Der Krieg im Sudan begann am 15. April 2023 mit Kämpfen in und um die Hauptstadt Khartum und weitete sich schnell auf große Teile des Landes aus. In dem Konflikt mit schätzungsweise Zehntausenden Toten stehen sich die reguläre Armee und die paramilitärischen „Rapid Support Forces“ (RSF) gegenüber.

Die dritte internationale Sudan-Konferenz wird am Mittwoch von der Bundesregierung in Berlin ausgerichtet. Das gemeinsam mit der EU, Frankreich, Großbritannien, den USA und der Afrikanischen Union ausgerichtete Treffen soll Aufmerksamkeit sowie mehr Hilfe für die Bevölkerung mobilisieren und die Friedensverhandlungen voranbringen. Die Kriegsparteien selbst nehmen nicht an der Konferenz teil.

Hohe Risiken für Arbeit von Hilfsorganisationen

Die Welthungerhilfe forderte mehr Unterstützung für humanitäre Einsätze im Sudan. „Humanitäre Hilfe muss unabhängig von einer Waffenruhe geleistet werden können“, sagte Generalsekretär Mathias Mogge in Berlin. Nötig seien ein uneingeschränkter Zugang für Hilfsorganisationen, der Schutz der Zivilbevölkerung und deutlich mehr finanzielle Mittel. Die Konferenz müsse hierzu „klare Ergebnisse liefern“.

Die Arbeit im Sudan ist nach Angaben der Organisation mit hohen Risiken verbunden. Die Teams arbeiteten unter ständiger Unsicherheit, sagte Mogge: „Jeder Tag erfordert neue Entscheidungen darüber, wie Hilfe überhaupt möglich ist.“ Unterbrochene Lieferketten und steigende Transportkosten infolge des Iran-Krieges verschlechterten die katastrophale Versorgungslage in der Bevölkerung zusätzlich.

Kritik an deutschen Hilfskürzungen

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) kritisierte die jüngsten Kürzungen für die humanitäre Hilfe im deutschen Bundeshaushalt. Dies zwinge dazu, die Hilfe „auch in diesem so krisengeplagten Land“ zurückzufahren, sagte DRK-Präsident Hermann Gröhe.

Laut dem Roten Kreuz mangelt es nach drei Jahren Krieg an einer ausreichenden Gesundheitsversorgung, Notunterkünften für geflüchtete Menschen, sauberem Wasser und Lebensmitteln. „Die humanitäre Lage in Sudan ist eine der schlimmsten weltweit und das seit mehreren Jahren“, unterstrich Gröhe.

Warnung vor extremer Armut

Das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) warnte vor den langfristigen Folgen des Krieges. Sollte der Krieg bis 2030 andauern, würden im Jahr 2043 einem Bericht zufolge etwa 52 Millionen Menschen im Land in extremer Armut leben, was dann mehr als 60 Prozent der Bevölkerung entspreche, erklärte das UN-Programm. „Drei Jahre nach Beginn des Konflikts befinden wir uns nicht nur in einer Krise. Wir erleben die systematische Zerstörung der Zukunft des Landes“, sagte der UNDP-Leiter im Sudan, Luca Renda.