Nairobi, Juba (epd). Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft den Konfliktparteien im Südsudan die Blockade humanitärer Hilfe vor. Militär und die bewaffnete Opposition verhinderten unter anderem durch Auflagen die dringend benötigte Unterstützung der Bevölkerung, erklärte HRW am Montag. Zudem seien beide Seiten für die Vertreibung von Zivilistinnen und Zivilisten verantwortlich. In mehreren umkämpften Gebieten seien die Menschen aufgefordert worden, ihre Wohnorte zu verlassen, die danach wahllos bombardiert worden seien.
Der Südsudan ist erst seit 2011 vom Sudan unabhängig, wird seitdem jedoch von einem Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem zwischenzeitlichen Vize Riek Machar beherrscht. Seit 2025 intensiviert sich die Auseinandersetzung, Machar wurde seines Amtes enthoben und wegen Mordes und Hochverrat angeklagt.
Über zehn Millionen hilfsbedürftige Menschen
„Die Behörden des Südsudans scheinen den Zugang zu Hilfsgütern für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren, wodurch Hunderttausende Zivilisten in großer Not zurückbleiben“, sagte HRW-Südsudanexpertin Nyagoah Tut Pur. Auch sei Hilfsinfrastruktur gezielt angegriffen worden. Rund zwei Millionen Menschen leben im Südsudan als Binnenvertriebene, oft in improvisierten Lagern, unter menschenunwürdigen Bedingungen. Nach UN-Angaben brauchen über zehn Millionen Menschen, rund zwei Drittel der Bevölkerung, Hilfe zum Überleben.
Alle Seiten haben den Menschenrechtlern zufolge gravierende Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung begangen, darunter Vergewaltigungen, Massaker, Plünderungen und Brandstiftung. Diese Angriffe könnten laut HRW Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen.
Den UN zufolge wurden im Südsudan allein in diesem Jahr hunderte Zivilistinnen und Zivilisten getötet. Bei dem bisher größten Blutbad am 1. März hätten Kämpfer der oppositionellen ethnischen Gruppe Bul Nuer mindestens 139 Menschen im Norden des Landes umgebracht. Davor brachten demnach Regierungstruppen im Osten des Landes 21 Menschen um.




