Hamburg (epd). Während sich viele Menschen über den Frühling freuen, beginnt für Pollenallergiker eine belastende Zeit. Gelber Blütenstaub auf Autos und Parkbänken sowie blühende Bäume sorgen bei Betroffenen für Niesen, tränende Augen oder eine laufende Nase. Nach Einschätzung des Hamburger Allergologen Sven Philip Aries können Pollenflug-Apps und einfache Alltagsmaßnahmen helfen, Beschwerden besser zu kontrollieren.
Pollenflug-Apps oder Websites bieten etwa Echtzeit-Pollenzählungen oder interaktive Karten. „Diese Tools zeigen, welche Pollen aktuell in Ihrer Region unterwegs sind und wie hoch die Belastung ist“, sagt Aries. Zwar lasse sich der medizinische Nutzen solcher Anwendungen nur schwer messen. Dennoch könnten sie Betroffenen helfen, ihren Alltag besser zu planen. „Sie helfen Ihnen, prophylaktisch zu handeln: Medikamente früher im Jahr zu starten, Fenster geschlossen zu halten oder Outdoor-Aktivitäten zu planen“, erklärt der Allergologe.
Verträglichkeit individuell verschieden
Wer wissen möchte, worauf er oder sie allergisch reagiert, sollte einen Allergietest machen lassen. Häufig kommen Hauttests, sogenannte Pricktests, oder Blutuntersuchungen zum Einsatz. Dabei werde geprüft, ob der Körper auf bestimmte Allergene reagiert. Entscheidend sei jedoch nicht allein ein positives Testergebnis. „Ein positiver Test allein reicht nicht - er muss mit Ihren tatsächlichen Symptomen bei Allergenexposition korrelieren, um die Diagnose zu bestätigen“, betont Aries.
Zur Behandlung werden meist Antihistaminika eingesetzt. Präparate der zweiten Generation gelten laut Aries als Standard bei leichten bis mittelschweren Beschwerden. „Es gibt keine definitiven Vergleichsstudien, die ein Präparat als überlegen zeigen“, sagt der Mediziner. Welche Tablette am besten vertragen werde, sei daher oft individuell verschieden. Cetirizin und Levocetirizin könnten etwas müder machen als Fexofenadin oder Loratadin. „Wenn Müdigkeit ein Problem ist, nehmen Sie das Antihistaminikum abends vor dem Schlafengehen.“
Haare waschen
Neben Medikamenten können auch einfache Maßnahmen im Alltag helfen, die Pollenbelastung zu reduzieren. Besonders wichtig sei Hygiene nach Aufenthalten im Freien. „Duschen vor dem Schlafengehen und Haare waschen, um Pollen zu entfernen“, rät der Allergologe. Auch das Wechseln der Kleidung könne sinnvoll sein. Zudem empfiehlt Aries, während starker Pollenbelastung möglichst die Fenster geschlossen zu halten.
Bei Hausmitteln sei die wissenschaftliche Lage dagegen uneinheitlich. Einige pflanzliche Präparate wie Pestwurz könnten zwar eine ähnliche Wirkung wie Antihistaminika zeigen, hätten jedoch auch mögliche Nebenwirkungen. Insgesamt gelte daher: „Die meisten Hausmittel sind nicht ausreichend erforscht, um klare Empfehlungen auszusprechen.“ Wer solche Mittel ausprobieren wolle, sollte dies vorher mit seiner Ärztin oder seinem Arzt besprechen.



