Kirchen rufen zum Frieden auf

Kirchen rufen zum Frieden auf
Angesichts der Kriege weltweit richten die Kirchen eindringliche Friedensappelle an die Mächtigen. Papst Leo XIV. fordert sie auf: "Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder!"
05.04.2026
epd
Von Almut Siefert und Karsten Frerichs (epd)

Frankfurt a.M. (epd). Friedensappelle der Kirchen zum Osterfest: „Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden!“, forderte Papst Leo XIV. am Sonntag in seiner Osteransprache. Im Anschluss spendete er von der Loggia des Petersdoms in Rom den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“ (der Stadt und dem Erdkreis). Auch in Deutschland nahmen leitende Geistliche in ihren Osterpredigten Bezug auf Kriege und Konflikte weltweit.

Leo XIV. sagte, die Welt sei gerade dabei, sich an Gewalt zu gewöhnen. „Wir finden uns damit ab und werden gleichgültig“, sagte der aus den USA stammende Papst in seiner ersten Osteransprache als Kirchenoberhaupt. Gleichgültig werde die Menschheit auch gegenüber den wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die die Konflikte verursachten. „Es gibt eine immer ausgeprägtere 'Globalisierung der Gleichgültigkeit', um einen Ausdruck zu verwenden, den Papst Franziskus gern verwendet hat“, zitierte Leo seinen Vorgänger, der am Ostermontag vor einem Jahr gestorben war.

Bischof Overbeck: Gewalt nur im Notfall einsetzen

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck rief in der Osternacht dazu auf, militärische Gewalt nur im Notfall einzusetzen. „Aufgabe der Politik, aber auch des Militärs ist, für den Frieden und seine Verteidigung einzutreten“, sagte Overbeck, der auch Militärbischof der Bundeswehr ist, laut Redemanuskript im Essener Dom. Gewalt dürfe aber „nur im äußersten Fall genutzt werden, um Recht und Menschen vor Aggressionen anderer zu schützen“.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, nannte das Osterfest eine „Rebellion gegen den Tod“. Die Auferstehung Jesu, derer Christinnen und Christen an Ostern gedenken, sei „eine skandalöse Idee“, sagte der Hildesheimer Bischof am Ostersonntag laut Manuskript: „Verrückt im Sinne der Liebe. Verrückt im Sinne der Hoffnung. Verrückt genug, um dem Tod zu widersprechen.“

Der katholische Mainzer Bischof Peter Kohlgraf bedauerte, dass der Glaube an die Auferstehung und das ewige Leben nicht mehr für alle Kirchenmitglieder von zentraler Bedeutung ist. „Ohne diesen Glauben bleibt aber alles leer und hohl, was wir sonst verkünden“, sagte er laut Predigtmanuskript am Samstagabend bei einem Gottesdienst zur Osternacht im Mainzer Dom.

Bischöfin Fehrs: Abgründe der Welt sind nicht ganze Wirklichkeit

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, sieht in der Osterbotschaft trotz wachsender Verunsicherung durch Krisen und Kriege eine elementare Quelle von Hoffnung und Halt. „Die Abgründe der Welt sind nicht die ganze Wirklichkeit. Darin liegt die Kraft von Ostern“, betonte die Theologin in ihrer bereits vor dem Fest veröffentlichten Osterbotschaft. Die Botschaft der Auferstehung Jesu Christi sei „eine der machtvollsten Hoffnungsgeschichten, die wir kennen“.

„Not und Leid haben nicht das letzte Wort“, unterstrich die EKD-Ratsvorsitzende und Hamburger Bischöfin. „Mich berührt in diesem Jahr besonders, wie widerständig und kraftvoll dieser Osterruf ist: Die Zuversicht, dass das Leben siegt, inmitten all der Kriege und des Elends dieser Tage.“

Bischof Kopp: „Die Mächtigen machen, was sie wollen“

Die Welt braucht das Osterfest nach Überzeugung des bayerischen evangelischen Landesbischofs Christian Kopp mehr denn je. „Denn der Tod hat unsere Welt fest im Griff. Gewalttaten, Ängste, Zerstörung, Kriege“, sagte der evangelische Theologe am Ostersonntag in seiner Predigt in der Münchner St. Matthäuskirche laut Manuskript. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine sprenge alle Vorstellungen von Gerechtigkeit. Die Eskalationen im Nahen Osten entsetzten ihn.

„Aber gerade weil jetzt Ostern ist und ich an Gottes Machtwechsel glaube, gilt: Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein. Never ever“, sagte Kopp. Und doch fühle er sich hilflos. „Die Mächtigen machen, was sie wollen: nehmen sich Land, verdienen Millionen mit ihrem Insiderwissen und Spekulationen, pfeifen auf Völkerrecht und Menschenleben und Würde.“