Essen, Bottrop (epd). Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat am Karfreitag dazu aufgerufen, sich angesichts der Umbrüche in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft neu am Maßstab der Menschenwürde zu orientieren. „Nicht Macht, Profit oder Stärke dürfen den Weg bestimmen, sondern der Mensch selbst - als Ebenbild Gottes“, sagte der Essener Bischof beim traditionellen Kreuzweg in Bottrop auf der 118 Meter hohen Halde Haniel aus dem 2018 beendeten Steinkohlebergbau. In diesem Jahr nahmen nach Angaben eines Sprechers 900 Menschen teil.
Overbeck rief die Christen in seiner Predigt zum Einsatz für Frieden sowie für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und die Menschenwürde auf. In Zeiten fragiler Demokratien und leicht verwundbarer offener Gesellschaften „brauchen wir Widerstands- und Erneuerungsfähigkeiten, um weiterhin in einem Rechtsstaat zu leben und der Stärke des Rechts vor dem Recht des Stärkeren unbedingten Vorrang einzuräumen“, mahnte der Essener Bischof. Er zeigte sich besorgt über militärische Gewalt, die als Instrument zur Durchsetzung politischer Ziele weltweit Resonanz gewinne.
Zunahme autokratischer Züge in Europa
In seiner Predigt sprach der katholische Theologe von „Mächten im Umbruch“: Sicherheiten im Politischen durch Demokratie, eine selbstverständliche Einhaltung der Menschenrechte und eine gemeinsame Überzeugung von der Menschenwürde aller Menschen seien zerbrochen. „Stattdessen spüren wir die Kälte der Waffen und sehen das Feuer von Kriegen, das sich immer mehr in die Herzen der Menschen hineinfrisst und viele verschlingt.“ Auch in der Europäischen Union nähmen „Neigungen zu autokratischen Zügen“ zu.
Der Kreuzweg sei ein Zeichen für die Bedeutung des Vertrauens von Christen auf Gott und die erlösende Kraft des Kreuzes, „unter das wir uns mit allem, was uns bedrückt, stellen können“, sagte Overbeck. Das gelte auch für Unsicherheiten und wirtschaftliche Sorgen, etwa im Blick auf den Arbeitsmarkt. „Wir leben nicht in einem Sturm, den wir aussitzen könnten“, sagte der Ruhrbischof. Schmerzhafte Anpassungsprozesse würden zu dauerhaften Begleitern.
Am Gemeinwohl ausrichten
Hoffnung entstehe aber, wo Menschen einander vertrauen, Verantwortung übernehmen und Veränderungen so gestalten, dass niemand seine Würde verliert, unterstrich Overbeck. Auch für den Bereich von Wirtschaft und Arbeit müsse eine Ausrichtung am Gemeinwohl gelten, sonst werde Arbeit „kalt und seelenlos“. Der Mensch müsse das Maß aller Dinge sein. Es gehe um eine Gemeinschaft von Menschen, die im Wohl und Wehe aufeinander angewiesen sind und Solidarität und Gemeinschaft pflegen.



