Berlin (epd). Der Berliner Bischof Christian Stäblein hat in seiner Karfreitagspredigt dazu aufgerufen, bei Unrecht und Grausamkeit nicht zu schweigen. „Manchmal ist da die Sorge, dass wir stumm werden“, sagte Stäblein im Karfreitagsgottesdienst in der Berliner Marienkirche: „Dass keiner mehr schreit. Dass all das Elend geschieht, und niemand sagt etwas laut. Die unfassbar vielen Toten im Südsudan. Die Hölle des Milizenkrieges. Und niemand sagt etwas? Das Verschleppen von syrischen Oppositionellen. Und von Belarussischen. Verschwunden im Gefängnis. Wer schreit. Schreit noch wer? Oder sind wir stumm geworden.“
Stäblein erinnerte an den Schrei von Jesus Christus, der bei seiner Kreuzigung am Karfreitag seinen Schmerz laut herausgeschrien habe. „Wir brauchen nicht viel Vorstellungskraft, um zu ahnen, dass der Kreuzigungstod einer der grausamsten war“, sagte der Bischof. Menschen seien öffentlich gekreuzigt worden, um andere abzuschrecken. Das sei die Logik des demonstrativen Mordens.
Darf nicht unerhört bleiben
Jesus habe am Kreuz geschrien, „dass wir nicht stumm werden“, sagte der Bischof: „Jesus schreit. Mit den Gehängten und Ermordeten dieser Welt. Für die Vergasten, die so stumm starben. Für die unsichtbaren Opfer unserer technischen Kriege. Für die, die niemand will. Für die von allen guten Geistern Verlassenen.“ Vielleicht sei der Karfreitag deshalb vor allem ein Schrei: „Und wir haben dafür zu sorgen, dass er nicht unerhört bleibt.“



