Lebensgrundlage Kakao: Westafrikas Bauern kämpfen mit Preissturz

Lebensgrundlage Kakao: Westafrikas Bauern kämpfen mit Preissturz
Kakaobauern in Westafrika erhalten 60 Prozent weniger für ihren Kakao - ihnen droht wegen eines Preissturzes an den internationalen Märkten die Armut. An den Preisen für die Osterschokolade in Deutschland ändert dies allerdings nichts.
03.04.2026
epd
Von Helena Kreiensiek (epd)

Dakar, Abidjan (epd). Ein Preissturz mit existenziellen Folgen: Kakaobauern in der Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire) erhalten seit Anfang März ganze 60 Prozent weniger pro Kilogramm Kakao. Statt der bisherigen 2.800 CFA-Francs (knapp 4.30 Euro) bringt ein Kilo Kakao jetzt nur noch 1.200 CFA-Francs (etwa 1.80 Euro) ein. „Das deckt noch nicht mal die Produktionskosten“, sagt Katharina Wietler vom Inkota-Netzwerk. Die deutsche Organisation setzt sich für faire Handelsbedingungen und die Rechte von Produzentinnen und Produzenten im Globalen Süden ein. Eine Studie von Inkota und der ivorischen Organisation Inades Formation veranschlagt die Produktionskosten für Kakaobohnen in der Côte d’Ivoire auf umgerechnet etwa 1,98 bis 2,28 Euro.

Nachdem die Kakaopreise der Saison 2024/2025 historische Höchststände von über 12.000 Dollar pro Tonne erreichten, sind sie jetzt im Sinkflug. Die Gründe sind ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: „Zum einen ist eine bessere Ernte eingefahren worden“, erklärt Wietler. In der Saison 2023/2024 hatte es in der Côte d’Ivoire und Ghana, den beiden wichtigsten Anbauländern weltweit, wetter- und krankheitsbedingte Ernteausfälle gegeben, was zu einer Verknappung des Rohstoffs führte und die Preise nach oben trieb.

Anbau in Nigeria und Ecuador gestiegen

Heute sieht die Lage anders aus: „Parallel zu einer besseren Ernte sind auch neue Anbauflächen erschlossen worden“, erläutert Wietler. Der hohe Preis aus den letzten Jahren habe dazu geführt, dass in Nigeria und dem südamerikanischen Ecuador mehr Kakao angebaut werde. Gleichzeitig schwächelt jedoch die Nachfrage. Weil Schokolade teurer geworden ist, greifen Verbraucher in Deutschland laut Marktforscher NIQ rund 5,8 Prozent seltener zu.

Auch Hersteller reagierten, drosselten ihre Produktion und setzen vermehrt auf kakaofreie Alternativen. Hinzu kommt eine marktinterne Dynamik: Mit der Erwartung größerer Ernten haben sich Investoren zunehmend zurückgezogen, wodurch spekulative Preistreiber nachließen und sich der Markt spürbar abkühlte. In der Summe führt dies zu einem wachsenden Überangebot und damit zu einem deutlichen Preisverfall.

Preise in Elfenbeinküste und Ghana von Behörden festgelegt

In der Elfenbeinküste und Ghana werden Kakaobauern nicht direkt nach dem schwankenden Weltmarktpreis bezahlt, sondern erhalten einen staatlich festgelegten Mindestpreis pro Saison. Dieses System, organisiert durch die Behörden Conseil du Café-Cacao (CCC) und Ghana Cocoa Board (Cocobod), soll die Einkommen der Bauern stabilisieren und sie vor starken Preisschwankungen schützen. In der Praxis funktioniert dieser Schutz jedoch nur begrenzt: Fällt der Weltmarktpreis deutlich, müssen die Staaten die Differenz ausgleichen. So lag der von der ivorischen Behörde festgelegte Preis zuletzt mit rund 2.800 CFA etwa 75 Prozent über dem aktuellen Weltmarktpreis. Die daraus entstehenden Verluste müssen von den staatlichen Kakaobehörden getragen werden - in der aktuellen Marktlage summiert sich das auf Millionenbeträge, die kaum noch finanzierbar sind.

Dennoch bleiben die Osterhasen in den europäischen Supermärkten zunächst teuer. Zugleich stapeln sich in den Lagerhallen der Elfenbeinküste die unverkauften Kakao-Säcke und drohen zu verrotten. „Derzeit ist von einem globalen Überschuss von bis zu 300.000 Tonnen die Rede, aber die Kakaobauern in der Côte d’Ivoire haben Schwierigkeiten, das Geld für die nächste Mahlzeit aufzubringen“, sagt Katharina Wietler.

Junge Menschen wenden sich dem Goldabbau zu

Auch in Ghana ächzen Kakao-Bauern unter den geringen Preisen: „Der Kakao-Anbau ist ein arbeitsintensiver Beruf, der unter den jetzigen Bedingungen wenig Profit für die Produzenten abwirft“, sagt Nana Kwasi Barning Ackah von Dachverband Ghana Civil Society Cocoa Platform. Es sei kein Wunder, dass der Sektor außer mit der Klimaerwärmung und Baumkrankheiten auch mit einer Überalterung kämpfe, sagt er. Insbesondere junge Menschen in ländlichen Gegenden, wo es an Alternativen mangele, würden sich verstärkt dem Goldabbau zuwenden.

Umso wichtiger sei es, die Branche zu stärken, betont Nana Kwasi Barning Ackah. Kakao sei schließlich die Lebensgrundlage tausender Menschen. Mit besseren Preisen, fairen Handelsbedingungen, mehr Einbindung der Produzenten und einer nachhaltigen Ausrichtung des Sektors, könne Kakao die wirtschaftliche Zukunft der Länder sichern.