Iran-Krieg: Abhängigkeit von fossilen Energien in Afrika rächt sich

Iran-Krieg: Abhängigkeit von fossilen Energien in Afrika rächt sich
Steigende Spritpreise, unterbrochene Lieferketten, teure Düngemittel: Der Iran-Krieg ist in Afrika deutlich spürbar. Eine Chance, sich auf erneuerbare Energien zu besinnen, fordert der kenianische Experte Mohamed Adow.
03.04.2026
epd
epd-Gespräch: Helena Kreiensiek

Dakar, Dakar (epd). Die Abhängigkeit afrikanischer Staaten von fossilen Brennstoffen zeigt laut dem Energie-Experten Mohamed Adow ihre fatalen Auswirkungen im Krieg zwischen Iran, Israel und den USA. Afrikanische Volkswirtschaften, die stark von Importen abhängen, seien besonders anfällig für steigende Preise, Versorgungsengpässe und instabile Ölmärkte, sagte der Direktor der Denkfabrik Powershift Africa dem Evangelischen Pressedienst (epd). Gleichzeitig belasteten höhere Kosten, teurere Transporte, Inflation und hohe Schulden die Entwicklung erheblich.

„Das Resultat ist, dass Gelder in die Subventionierung fossiler Brennstoffe umgeleitet werden und andere Ausgabenbereiche verdrängen“, kritisierte der Klima-Experte, der die in Kenia ansässige Denkfabrik 2018 gründete. „Das stellt eine enorme Belastung für den Kontinent dar.“

Investitionen in erneuerbare Energien nötig

Eine weitere Auswirkung sei die zunehmende Ernährungsunsicherheit. Viele afrikanische Länder importieren Düngemittel, deren Produktion stark von fossilen Brennstoffen abhängt und die häufig über zentrale Handelsrouten wie die Straße von Hormus transportiert werden. Würden diese Lieferketten durch geopolitische Spannungen gestört, steigen die Preise oder Lieferungen bleiben aus, mit direkten Folgen für die landwirtschaftliche Produktion und die Ernährungssicherheit auf dem Kontinent, sagte Adow.

Der richtige Weg für Afrika ist nach Adows Überzeugung, in erneuerbare Energien und Elektrifizierung zu investieren. Das stärke wirtschaftliche Souveränität, federe externe Schocks ab und bekämpfe gleichzeitig den Klimawandel. „Doch trotz enormer Potenziale im Bereich Solar, Wind und Geothermie hat der afrikanische Kontinent es versäumt, in eine Diversifizierung von Energiequellen zu investieren“, kritisierte der Direktor des Klima- und Energie-Thinktanks. Die dringend benötigte Energiewende finde zwar bereits statt, verlaufe aber nicht schnell genug.

Öl-produzierende Länder oft schwer betroffen

Die aktuelle Krise sei eine Chance, um durch den Ausbau erneuerbarer Energien die Abhängigkeit von fossilen Importen zu reduzieren und mehr Energiesicherheit zu schaffen, ist Adow überzeugt. Noch immer haben rund 600 Millionen Menschen in Afrika keinen Zugang zu Strom.

Ein klassisches Beispiel für Importabhängigkeit sei Nigeria: Trotz seiner Rolle als größter Ölexporteur Afrikas gebe es derzeit lange Warteschlangen an Tankstellen, verursacht durch Preisschocks oder Versorgungsengpässe. Grund sind Adow zufolge fehlende Verarbeitungskapazitäten im eigenen Land, wodurch raffinierte Produkte importiert werden müssen, und ein Wirtschaftssystem, das auf fossilen Brennstoffen aufgebaut ist. Interessanterweise zeigten sich die Probleme der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen oft stärker in Öl-produzierenden Ländern.