Düsseldorf (epd). Der Konstanzer Migrationsforscher Daniel Thym hat das von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) formulierte Ziel einer Rückkehr von rund 80 Prozent der in Deutschland lebenden syrischen Schutzsuchenden als unrealistisch bezeichnet. „Solch hohe Rückkehrzahlen dürften sich als Illusion erweisen und dürften selbst im Wege der freiwilligen Ausreise unerreichbar sein“, sagte Thym dem „Handelsblatt“ (Dienstag).
Bislang seien nur wenige Tausend Syrer freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt. Es bleibe unklar, warum sich dies grundlegend ändern sollte und mit welchen Anreizen oder möglichen Sanktionen die Zahlen deutlich erhöht werden könnten, sagte der Wissenschaftler. Das gelte auch für zwangsweise Abschiebungen.
Forscher sieht rechtliche Hürden
Zugleich verwies Thym auf rechtliche Hürden. „Es reicht nicht, wenn Politiker Syrien für sicher erklären“, sagte er. Vielmehr müsse jeder Einzelfall geprüft werden, und die Betroffenen könnten gegen eine Ausreisepflicht vor Gericht klagen. Die angekündigte gemeinsame Taskforce deute jedoch darauf hin, dass Deutschland und Syrien künftig bei Abschiebungen kooperieren könnten. Darüber hinaus seien neue Maßnahmen denkbar, um freiwillige Ausreisen stärker zu fördern und einzufordern.
Bundeskanzler Merz hatte beim Besuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa am Montag in Berlin erklärt, in den kommenden drei Jahren sollten „rund 80 Prozent“ der Syrerinnen und Syrer in Deutschland in ihre Heimat zurückkehren. Ein Jahr nach Kriegsende hätten sich die Bedingungen verändert, erklärte der Kanzler. Rückkehroptionen seien nötig, „zuallererst für diejenigen, die unsere Gastfreundschaft missbrauchen“.



