Kelkheim (epd). Anlässlich des Besuchs des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin am Montag hat das Hilfswerk „Open Doors“ auf die Einschüchterung von Christen in Syrien aufmerksam gemacht. So sei in Aleppo nach den Kämpfen zwischen Kräften der Regierung und der kurdischen SDF-Miliz eine Kirchenwand im Februar mit einer mutmaßlich gegen Christen gerichteten Drohparole besprüht worden, deren Sinn sich in etwa mit „Ihr seid die Nächsten“ wiedergeben lasse, teilte das Hilfswerk in Kelkheim am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit. Ähnliche Aufschriften seien auch an weiteren Kirchen und im öffentlichen Raum in mehrheitlich christlich bewohnten Orten festgestellt worden.
„Eine solche Botschaft verbreitet Angst“, so die Äußerung einer Kirchenmitarbeiterin in Aleppo. „Open Doors“ sammele die Nachrichten vor Ort durch Vertreter in der Region. Am 13. Februar habe ein Mann die syrisch-katholische Kirche in dem Dorf Qatana westlich von Damaskus während des Gottesdienstes betreten und die Gläubigen lautstark dazu aufgerufen, zum Islam überzutreten. Polizisten hätten ihn schließlich abgeführt, aber das bedrohliche Erlebnis bleibe im Ort in Erinnerung.
Christen fühlen sich verunsichert
Am 21. Februar habe eine Gruppe von Männern in der überwiegend christlichen Stadt Saydnaya nördlich von Damaskus auf einem Platz die syrische Nationalflagge heruntergerissen, eine islamische Flagge mit der Aufschrift „Es gibt keinen Gott außer Allah“ gehisst und „Allahu Akbar“ gerufen. Nach einer verbalen Konfrontation hätten der Bürgermeister und Sicherheitskräfte eingegriffen und die Flagge später entfernt. Christen im Ort hätten die Tat als Gefährdung des öffentlichen Friedens empfunden.
Am 23. Februar hätten einige Männer eine ähnliche Flagge in Bloudan, einem Dorf mit ebenfalls mehrheitlich christlicher Bevölkerung nordwestlich von Damaskus, gehisst. Christen fühlten sich verunsichert, insbesondere nach dem Selbstmordanschlag auf die Mar-Elias-Kirche in Damaskus im vergangenen Juni mit zwei Dutzend Toten, fasste das Hilfswerk zusammen.



