Leipziger Gewandhausorchester würdigt Kurt Masur

Leipziger Gewandhausorchester würdigt Kurt Masur
Die neue Saison im Gewandhaus Leipzig bietet gleich mehrere Festivals. Geehrt werden unter anderem Beethoven, Mendelssohn und Avo Pärt. Zur Eröffnung gibt es eine "Ansprache zur Demokratie".
30.03.2026
epd
Von Katharina Rögner (epd)

Leipzig (epd). Ludwig van Beethoven (1770-1827) steht im Mittelpunkt der neuen Spielzeit 2026/2027 des Leipziger Gewandhausorchesters. Anlass ist der 200. Todestag des Komponisten im nächsten Jahr. Vom 9. bis 23. Mai 2027 ist demnach ein „Festival von internationaler Strahlkraft“ geplant, teilte das Gewandhausorchester am Montag in Leipzig mit. Dazu werden unter anderem die Pianisten Lang Lang und Igor Levit erwartet sowie der griechische Geiger und Dirigent Leonidas Kavakos und Schauspieler Tobias Moretti.

Laut Gewandhausdirektor Andreas Schulz will das Festival Beethoven nicht als Denkmal zeigen, sondern als Künstler, dessen Musik bis heute gesellschaftliche und politische Kraft entfalte. Aufgeführt würden alle neun Sinfonien des Meisters sowie Instrumentalkonzerte und Kammermusik.

„Egmont“ in neuer Textfassung

So sei Beethovens Schauspielmusik zu Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) „Egmont“ in einer neuen Textfassung des in Berlin und Leipzig lebenden Schriftstellers Michael Lentz zu erleben, hieß es. Das Auftragswerk handele von Unterdrückung, Freiheitskampf und Unbeugsamkeit.

Geehrt werden zudem zwei Dirigenten, deren Wirken untrennbar mit dem Gewandhausorchester verbunden sei. So würdigt das Orchester den 2015 verstorbenen Kurt Masur (1927-2015) mit mehreren Veranstaltungen. Masur war von 1970 bis 1996 Gewandhauskapellmeister. Unter seiner Leitung erlebte das Orchester eine Profilierung mit weltweiter Ausstrahlung. Am 18. Juli 2027 wäre Masur 100 Jahre alt geworden.

Werke aus seinem Kernrepertoire stehen ebenso auf dem Programm wie Kompositionen, die er uraufgeführt oder nachhaltig gefördert hat. Ergänzt werde das Gedenken mit einem Symposium im Rahmen des Beethoven-Festivals. Es würdigt Masurs Wirken als Dirigent, Gestalter und musikalische Instanz, hieß es.

Blomstedt feiert 100. Geburtstag in Leipzig

Außerdem ist der heute 98-jährige Herbert Blomstedt mehrfach beim Gewandhausorchester zu Gast. Unter anderem will er an seinem 100. Geburtstag am 11. Juli 2027 in Leipzig die Aufführung der fünften Sinfonie von Anton Bruckner (1824-1896) dirigieren.

Die neue Saison des Gewandhausorchesters beginnt mit einem Demokratie-Wochenende vom 4. bis 6. September. Es steht unter dem Motto „Vorzeichen lesen“. Bereits zum fünften Mal verbinde das Gewandhausorchester Musik, Diskurs und gesellschaftliche Reflexion, hieß es. Die „Ansprache zur Demokratie“ beim Eröffnungskonzert am 4. September hält der deutsch-bosnische Schriftsteller Sasa Stanisic.

Fokus auf Arvo Pärt

Zudem will das Orchester die Bandbreite den estnischen Komponisten Arvo Pärt zeigen. Der 90-jährige Künstler sei einer der einflussreichsten Komponisten der Gegenwart, hieß es. Seine dritte Sinfonie ist im Gewandhaus zum ersten Mal zu erleben.

Die traditionellen Mendelssohn-Festtage stehen ganz im Zeichen des „Jahres der jüdischen Kultur“ in Sachsen. Sie widmen sich den Angaben zufolge einem vielschichtigen musikalischen Erbe zwischen Tradition, Identität und Moderne. Aufgeführt wird unter anderem die Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Kurt Weill (1900-1950) und Bertolt Brecht (1898-1956) als Konzert. Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) war von 1835 bis 1847 in Leipzig Gewandhauskapellmeister.