Münster (epd). Überraschung bei der Neubesetzung des bedeutenden Bischofssitzes in Münster: Papst Leo XIV. hat den erst seit einem Monat amtierenden Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, zum neuen Bischof des mitgliederstärksten Bistums in Deutschland ernannt. Der 64-Jährige, bislang Bischof in Hildesheim, äußerte bei seiner Vorstellung am Donnerstag im St.-Paulus-Dom in Münster Respekt vor der neuen Aufgabe und skizzierte zugleich, wie er sein Amt ausfüllen will: Es stehe „für eine Kirche, die nicht herrscht, sondern dient“.
An der Spitze des 1,6 Millionen Katholiken zählenden Bistums folgt Wilmer auf Felix Genn, der im März 2025 mit 75 Jahren aus Altersgründen zurückgetreten war. Offiziell eingeführt wird Wilmer am 28. Juni. Der künftige Bischof von Münster gilt jenseits der kirchenpolitischen Lager als traditionsverbunden und zugleich reformorientiert. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller nannte seine Ernennung eine kluge Wahl: Wilmer sei „ein kluger und besonnener Reformer“, der gut zum Bistum Münster passe, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Für Menschenfreundlichkeit und gegen Machtmissbrauch
Wilmer selbst sagte bei seiner Präsentation, vielleicht sei der Weg der Kirche in der postmodernen Zeit: „Aufsuchen, zuhören, verstehen und dann gemeinsam vorangehen.“ Es brauche mehr denn je eine radikale Menschenfreundlichkeit - „in einer Zeit, in der wir zunehmend in Kategorien von Freund und Feind denken, in der Menschen ausgegrenzt und abgewertet werden, in der Fremdenhass wächst“.
Zu sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch sagte der neue Bischof: „Viele Verantwortungsträger haben viel zu lange weggeschaut. Das alles darf es nie wieder geben, und ich werde mich mit aller mir zur Verfügung stehenden Kraft dafür einsetzen, dass unsere Kirche ein sicherer Raum ist.“
„Kein Einzelkämpfer“
Der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz, Michael Gerber, gratulierte seinem Amtsbruder und bot Unterstützung bei der Doppelrolle als Münsteraner Bischof und Bischofskonferenz-Vorsitzender an. Es seien bewegte Zeiten für Gesellschaft und Kirche und nun auch für den neuen Bischof von Münster, erklärte er laut Mitteilung der Bischofskonferenz in Bonn.
Zusammen mit dem Amt des Vorsitzenden der Bischofskonferenz seien es zwei große, wuchtige Aufgaben, vor denen er „Riesenrespekt“ habe, sagte Wilmer vor Journalisten. Er sei aber kein Einzelkämpfer, sondern eher ein Teamplayer. Dass er zur Berufung nach Münster Ja gesagt habe, liege auch an Papst Leo, sagte er. Dieser habe ihn nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz in vollem Bewusstsein auf der Liste gelassen.
Viel Erfahrung im In- und Ausland
Wilmer wird der 77. Bischof des im Jahr 805 gegründeten Bistums. Das Bistum reicht vom nördlichen Niederrhein an der niederländisch-deutschen Grenze bis nach Westfalen. Außerdem gehört der Offizialatsbezirk Oldenburg in Niedersachsen zum Bistum.
Wilmer wurde am 9. April 1961 im niedersächsischen Schapen geboren. 1980 trat er in die Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester ein. 1987 wurde er zum Priester geweiht. Von 1987 bis 1993 studierte er in Rom und Freiburg. Nach verschiedenen beruflichen Stationen - unter anderem in der New Yorker Bronx - wurde er Schulleiter an einem Gymnasium in Niedersachsen. Von 2007 bis 2015 war Wilmer Vorsteher seines Ordens in Bonn und im Anschluss bis 2018 Leiter seines Ordens in Rom, bis Papst Franziskus ihn zum Bischof machte.



