Bau-Turbo durch günstigeren Gebäude-Typ

Bau-Turbo durch günstigeren Gebäude-Typ
Der Wohnungsbau-Tag will das Bauen vereinfachen und kostengünstiger machen. Dafür soll es einen neuen "Basis-Standard" geben. So soll die Kaltmiete im Neubau um mehrere Euro pro Quadratmeter sinken.

Berlin (epd). Wer umzieht, hat verloren: „Die Wohnungskrise ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagte Mieterbund-Präsidentin Melanie Weber-Moritz auf dem 17. Wohnungsbau-Tag am Donnerstag in Berlin. Zur Lösung der angespannten Lage forderte der Branchengipfel den kostengünstigeren Bau von Wohnungen. Dafür soll vor allem der „Gebäude-Typ E“ gebaut werden, der das Bauen einfacher, schneller und günstiger mache. Der Staat müsse auf einen „Basis-Standard-Wohnungsbau“ setzen.

Die Vertreterinnen und Vertreter von sieben führenden Verbänden und Organisationen der Bau- und Wohnungswirtschaft präsentierten zum Wohnungsbautag vier Kernforderungen. Der neue „Basis Standard Wohnen“, ein auf Mindeststandards reduzierter Bau, soll den Neubau von mehr und günstigeren Wohnungen garantieren. Bund und Länder sollen zudem 100.000 Sozialwohnungen pro Jahr und den Neubau von bezahlbaren Wohnungen (Kaltmiete 8,50 bis 12,50 Euro pro Quadratmeter) fördern. Planung, Genehmigung und Bauen sollen schneller gehen. Um die Aktivität des Wohnungsbaus erfassen zu können, soll eine monatliche „Bundesstatistik der Baubeginne“ eingerichtet werden.

Reduziert auf Mindestanforderungen

Besonderes Augenmerk legt das Bündnis auf den „Gebäude-Typ E“. Dessen Qualität sei „ausgesprochen gut“, bei gleichzeitig „robuster Substanz und wenig Instandhaltung“, sagte Dietmar Walberg vom Kieler Bauforschungsinstitut Arge. Bei dem Gebäude-Typ wird auf nicht zwingende Baustandards verzichtet. Beim Komfort werden Abstriche gemacht, etwa weniger Steckdosen eingebaut. Die Stahlbetondecken würden um vier Zentimeter, die Außenwände um sechs Zentimeter dünner. Auch der Bau von Kellern und Aufzügen werde zurückgefahren.

Für diesen „Basis-Standard“ sei eine rechtliche Absicherung erforderlich. Das Bündnis forderte die Bundesregierung auf, das „Gebäude-Typ-E-Gesetz“ zu verabschieden, an welchem bereits seit einem Jahr gearbeitet werde. So könnte dem Wohnungsmangel begegnet werden: Experten erwarten den Angaben zufolge weniger als 200.000 neu gebaute Wohnungen im laufenden Jahr. Das entspreche nicht einmal der Hälfte der benötigten Neubauwohnungen.

Minimum: 18 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter

Ein Quadratmeter in Großstädten und Metropolregionen kostet aktuell durchschnittlich mehr als 4.630 Euro, mit Grundstückskosten liege der Neubau von Wohnen gar bei rund 5.400 Euro pro Quadratmeter, wie aus einer am Donnerstag vorgestellten Studie des Bündnisses hervorgeht. „Das bedeutet: Minimum 18 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter“, sagte Studienleiter Dietmar Walberg. Zwischen den Bundesländern gebe es teils deutliche Unterschiede, vormachen würde es Schleswig-Holstein: Dort sanken die Baukosten zuletzt sogar, der Quadratmeter Neubau koste dort nur 3.481 Euro.

Zudem erwartet der Wohnungsbau-Tag einen steigenden Bedarf an kleinen Wohnungen, da die Haushaltsgröße in Deutschland schrumpfe. Gleichzeitig kämen Familien nicht an ausreichend bezahlbaren Wohnraum, der Markt sei eingefroren. „Fast jedes fünfte Kind wächst in einer zu kleinen Wohnung auf“, sagte Walberg. Bereits jetzt lebten demnach 9,9 Millionen Menschen in überbelegten Wohnungen, 1,4 Millionen mehr als noch zu Beginn des Jahrzehnts.