Zahl der "Neuzugänge" in der Pflegekasse bei Menschen ab 60 stabil

Zahl der "Neuzugänge" in der Pflegekasse bei Menschen ab 60 stabil
Die Zahl der neuen Pflegebedürftigen über 60 ist laut AOK seit Jahren stabil. Doch eine neue Untersuchung zeigt einen bedenklichen Trend zu einem zunehmend früheren Eintritt in die Pflegebedürftigkeit.

Berlin (epd). Die Zahl der erstmals pflegebedürftigen Menschen ab 60 Jahren hat sich von 2019 bis 2024 auf weitgehend stabilem Niveau bewegt. Das teilte das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) am Donnerstag in Berlin mit. Im genannten Zeitraum wurden jedes Jahr etwa 350.000 AOK-Versicherte dieser Altersgruppe pflegebedürftig. Ausgewertet wurden für die Untersuchung auch die Erstbegutachtungsdaten der Medizinischen Dienste.

Die Analyse setzt nach der Einführungsphase des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs an, der 2017 und 2018 zunächst zu einem deutlichen Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen geführt hatte. Nach den Einmaleffekten in den ersten beiden Jahren nach der Umstellung blieb die Zahl der Pflegeeintritte bei den AOK-Versicherten ab 60 Jahren dann zwischen 2019 und 2024 auf einem konstanten Niveau. Am häufigsten wurde in diesem Zeitraum Pflegegrad 2 festgestellt, auf den 46,5 Prozent der Pflegeeintritte ab 60 Jahren entfielen. Am zweithäufigsten wurde mit 29,7 Prozent Pflegegrad 1 bescheinigt.

Altersstruktur bei Eintritt hat sich verändert

Am Ende des Analysezeitraums 2024 waren die Menschen in den ausgewerteten Altersgruppen ab 60 Jahren bei Pflegeeintritt mit 77,9 Jahren deutlich jünger als noch fünf Jahre zuvor mit 79,5 Jahren. Der stärkste Anstieg war in der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen zu verzeichnen: Auf diese entfielen 2019 noch 13,9 Prozent aller Pflegeeintritte, 2024 waren es bereits 19,5 Prozent. „Wir sehen hier einen gewissen Vorzieh-Effekt. Die Pflegebedürftigkeit wird früher festgestellt und formalisiert“, erläuterte Susann Behrendt, Forschungsbereichsleiterin Pflege im WIdO.

Behrendt: „Zusammenfassend kann man sagen, dass die Pflegebedürftigkeit früher festgestellt wird, aber mit niedrigeren Pflegegraden startet.“ Die Ergebnisse zeigen aus ihrer Sicht, dass in der Reformdebatte nicht nur auf den Gesamtanstieg der Pflegebedürftigen geschaut werden sollte. Ebenso wichtig sei es, den Blick auch auf die Altersstruktur der „Neuzugänge“ zu richten.