Frankfurt a.M. (epd). Ausbleibende Hilfe und anhaltende Kämpfe im Land sorgen laut Welthungerhilfe auch ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Myanmar für großen Hunger und Not. Der Wiederaufbau stocke, mehr als 16 Millionen Menschen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen, sagte Landesdirektor Henry Braun dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Das ganze Land ist in der Krise, und nach dem Beben gab es nur am Anfang eine kleine Welle der Hilfsbereitschaft.“
Benötigt würden eigentlich 890 Millionen US-Dollar, um den Menschen in Not beizustehen. Aber es gebe nicht genug Geld für die humanitäre Hilfe. „Wir müssen daher leider sagen: Okay, wir müssen schon zufrieden sein, wenn Myanmar 220 Millionen Dollar bekommt, also ungefähr 24 Prozent“, erklärte Braun. Selbst damit könnten aber nur die Menschen in allergrößter Notlage erreicht werden. „Das heißt, den Menschen, die betroffen sind, aber denen es nicht lebensbedrohend schlecht geht, wird gar nicht geholfen.“
Bürgerkrieg und Naturkatastrophen
Viele Tausende Menschen müssten weiterhin in provisorischen Notunterkünften leben, sagte Braun. Vielerorts sei die Rückkehr zum Alltag noch weit entfernt. „Vielleicht ist eine Familie wieder zurück auf ihrem Grundstück und ist dabei, das Haus zu bauen. Aber das Dach fehlt noch, und dafür ist kein Geld da. Wenn jetzt der Regen kommt, wird alles nass.“ Der Wiederaufbau werde zurückgeworfen.
Am 28. März 2025 hatte ein Erdbeben der Stärke 7,7 auf der Richterskala das 54-Millionen-Einwohner-Land erschüttert. Tausende Menschen kamen ums Leben. Unzählige Häuser wurden zerstört. Das Beben traf ein Land, das bereits seit Jahren unter einem Bürgerkrieg leidet. „Im Jahr vorher hatten wir zudem Überflutungen in dem Gebiet“, erklärte der Welthungerhilfe-Landesdirektor. „Und jetzt kommen die Probleme durch den Iran-Krieg hinzu.“
Iran-Krieg verschärft Lage
Die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten mache die Lage spürbar schlimmer, sagte Braun. „Die Treibstoffpreise steigen, Sprit und Diesel werden knapper.“ Das verteuere den Alltag ebenso wie die Lieferung von Hilfsgütern und den Zugang zu Märkten und Gesundheitsdiensten. „Wir sehen, dass die Transportkosten nach oben schnellen. Das wird sich in den nächsten Tagen und Wochen weiter auswirken, auch Lebensmittel wie Gemüse und Reis werden teurer.“
Die humanitäre Krise werde durch die anhaltenden Kämpfe in einem vielschichtigen Konflikt verschärft, erklärte Braun. Zahlreiche bewaffnete Gruppen kämpfen in verschiedenen Konstellationen, vor allem gegen das Militär, das im Februar 2021 die gewählte Regierung von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi stürzte. Seit dem Putsch hat die Militärregierung auch Proteste in der Bevölkerung gewaltsam bekämpft.



