Argentinien: Demonstrationen zum 50. Jahrestag des Militärputsches

Argentinien: Demonstrationen zum 50. Jahrestag des Militärputsches
Vor 50 Jahren hat in Argentinien das Militär geputscht - bis zu 30.000 Menschen wurden in den darauffolgenden Jahren getötet. Zum Jahrestag der Machtübernahme kritisieren Demonstranten landesweit die Erinnerungspolitik der aktuellen Regierung.

Berlin, Buenos Aires (epd). Zum 50. Jahrestag des Militärputsches in Argentinien haben im ganzen Land zahlreiche Menschen für eine weitere Aufklärung der Menschenrechtsverletzungen während der Diktatur demonstriert. Allein in der Hauptstadt Buenos Aires versammelten sich am Dienstag (Ortszeit) nach Angaben der Regierung 100.000 Menschen. Die Veranstalter sprachen sogar von mehr als einer Million Demonstrantinnen und Demonstranten. Die Proteste richteten sich auch gegen die Erinnerungspolitik der rechten Regierung unter Präsident Javier Milei.

In der Hauptstadt Buenos Aires hielten die Demonstranten Fotos von Menschen in die Luft, die während der Militärdiktatur (1976 bis 1983) ermordet worden waren. Auch in weiteren Städten des südamerikanischen Landes gab es laut Lokalzeitungen große Demonstrationen.

30.000 Menschen während Diktatur getötet

Bei der Kundgebung in Buenos Aires kritisierten mehrere Menschenrechtsorganisationen in einer gemeinsamen Erklärung die Regierung scharf, berichtete die Tageszeitung „La Nación“. Unter Milei sei eine Zensur innerhalb des Staates eingeführt worden, Gedenkstätten blieben unterfinanziert. Zudem ordne sich die Regierung ebenso wie die von 1976 bis 1983 andauernde Militärdiktatur der wirtschaftlichen und politischen Dominanz der USA unter.

Am 24. März 1976 hatte sich in Argentinien das Militär an die Macht geputscht und die bereits durch eine Wirtschaftskrise und politische Polarisierung geschwächte Präsidentin Isabel Perón gestürzt. Während der Diktatur wurden laut Schätzungen bis zu 30.000 Menschen getötet, Oppositionelle verschwanden in Foltergefängnissen und ihre Leichen wurden ins Meer geworfen. Die Generäle rechtfertigten ihren Putsch mit der Gewalt linker Gruppen und sprachen von einem internen bewaffneten Konflikt.

Regierung kritisiert politische Vereinnahmung

Die Regierung Mileis kritisierte laut dem Portal „Infobae“ eine politische Vereinnahmung des Gedenktages. Ende vergangener Woche hatte sie zudem Geheimdienstdokumente aus den Jahren von 1973 bis zum Ende der Militärdiktatur veröffentlicht. Menschenrechtsorganisationen kritisierten diese als politisch einseitig.